16.05.2026 - WAZ
„Wie Pech und Schwefel“: Warum Laar sein Schützenfest so dringend braucht
Wo Kneipen sterben, hält die Schützengesellschaft St. Ewaldi die Gemeinschaft in drei Stadtteilen zusammen. Ein Besuch beim Laarer Schützenfest.
Das Klackern der Kleinkalibergewehre mischt sich mit dem Lachen im Zelt. Obwohl die Regentropfen in das Hafenbecken prasseln, ist die Stimmung am Binnenschifffahrtsmuseum äußerst ausgelassen. Wer am vergangenen Donnerstag das große Festzelt am Museum betritt, spürt sofort: Hier geht es um mehr als nur Holzvögel und Uniformen. Hier geht es um das, was im Duisburger Norden immer seltener wird: das Miteinander. Anja Voßen steht inmitten des Trubels. Die Vorsitzende der Schützengesellschaft St. Ewaldi, die Grünröcke aus den Stadtteilen Laar, Beeckerwerth und Beeck vereint, hat den Überblick. Doch ihre Sorgen kann sie trotz der festlichen Stimmung nicht ganz verbergen.
„Seit Corona ist es für uns schwieriger geworden“, räumt die Laarerin ein. Vor allem der Blick auf die Rechnung für das viertägige Schützenfest schmerzt. Rund 12.000 Euro kostet allein das Bierzelt. Das ist doppelt so viel wie noch vor ein paar Jahren. Eine Summe, die erst einmal refinanziert werden muss. Doch während anderswo in Duisburg Traditionsvereine mit Existenzsorgen zu kämpfen haben, stemmt sich St. Ewaldi gegen den Trend. Die Schützengesellschaft zählt aktuell 105 Mitglieder. „In diesem Jahr haben sich zehn Königsaspiranten gemeldet“, berichtet Voßen stolz und findet: „Das spricht für sich.“
Schützengesellschaft St. Ewaldi trotzt dem Vereinssterben
Es ist ein deutliches Lebenszeichen in einer Zeit, in der Vereine oft über Nachwuchssorgen klagen. Aber in Laar und Umgebung sei der Mittelbau, die Männer und Frauen von 22 bis 45 Jahren, hochaktiv. „Das sind diejenigen, die die Tradition in den nächsten Jahren fortführen werden“, so die Vorsitzende.
Sie selbst ist in die Schützentradition hineingeboren worden. Schon ihr Urgroßvater trug die Königskette. Im Festzelt ruft eine andere Schützenschwester dazwischen: „Wir sind hier alle wegen Oma, Mama oder Papa reingerutscht.“ Sowohl Tradition als auch Familie scheinen hier eine große Rolle zu spielen.
Dass das Schützenfest heute fast nur noch Vereinsmitglieder und deren Familien anzieht, ist ein Wermutstropfen. Gedacht ist es eigentlich als Stadtteilfest, doch die Hochzeiten der Achtzigerjahre sind vorbei. Aber der Verein hat reagiert. Mit Schlagerpartys und Veranstaltungen wie dem Oktoberfest oder Karneval locken die Schützen auch „Zivilisten“ an. Für die Schlagerparty am Samstagabend seien bis Christi Himmelfahrt bereits 500 Tickets verkauft worden. Dort treten unter anderem der Schlagerbarde Jörg Bausch und der DSDS-Star Angelika Ewa Turo aus Duisburg aus.
Solche Veranstaltungen sind bitter nötig. Denn in Laar, Beeck und Beeckerwerth sieht es düster aus mit öffentlichen Treffpunkten. Das große Kneipensterben hat tiefe Wunden hinterlassen. Vor allem dem Laarer Gemeindefest trauert Voßen hinterher. Wenn die Schützen feiern, sei das inzwischen für viele Bewohner eine der letzten Gelegenheiten, gemeinsam anzustoßen. „Deshalb halten wir hier zusammen wie Pech und Schwefel“, sagt ein Schützenbruder am Tresen.
Ohne die Schützen, den Laarer Bürgerverein oder die Karnevalisten wäre das soziale Leben im Stadtteil „aufgeschmissen“, bedauert die Vereinsvorsitzende. Wie wichtig diese Rolle der Schützen geworden ist, wird sich am Samstagmorgen zeigen. Dann treffen sich im Zelt die Senioren aus einem nahegelegenen Altersheim zum Frühschoppen mit Kartoffelsalat und Bratwurst. „Dann kommen die auch mal wieder raus“, so Voßen. Es sind Momente wie diese, die verdeutlichen, wie wichtig ein aktives Vereinsleben in Laar, Beeckerwerth und Beeck ist.
Und dann gibt es da noch die Geschichten, die so nur die Schützentradition schreibt. Wie die Geschichte von Willi Barbe. Der 73-Jährige ist das genaue Gegenteil der „reingeborenen Schützen“. Der gebürtige Wiesbadener war für Siemens jahrzehntelang auf der ganzen Welt unterwegs. Erst in seinem Ruhestand landete er in Duisburg, wo er heute eine Pension betreibt.
Um „in Bewegung zu bleiben“ und Kontakte zu knüpfen, trat Willi Barbe vor fünf Jahren der Schützengesellschaft St. Ewaldi bei. Und dann geschah das Wunder: Der „Schützenjüngling“ wurde König – und das nicht nur einmal. Barbe ist amtierender Dreifach-König in Laar, Buchholz und Essen. Nach der Satzung muss er nun zwei Jahre aussetzen. Doch sein Ziel für 2029 hat er schon fest im Blick: „Dann bin ich wieder dabei.“
In diesem Jahr durfte er sich dafür beim Königschießen an Christi Himmelfahrt entspannt zurücklehnen und mitfiebern, wer den hölzernen Adlerrumpf niederschießt. Nach nervenaufreibenden dreieinhalb Stunden war es dann endlich so weit, und das Festzelt brach in lauten Jubel aus. Michaela Gerwien ist der neue Schützenkönig von St. Ewaldi. Damit ist sie für ein Jahr lang die Repräsentantin der Schützengesellschaft, eines Vereins mit 132-jähriger Tradition.
Weiteres Programm beim Schützenfest
Das Schützenfest geht weiter: Am Samstagmorgen sind alle Laarer Senioren ab 11 Uhr zum Frühschoppen im Festzelt eingeladen. Höhepunkt des Wochenendes ist jedoch der 5. Laarer Schlagerabend mit Stars wie Jörg Bausch, Angelika Ewa Turo, die Kölner Musikgruppe Tacheles, das Duo Unendlich und DJ Prince M. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass um 18.30 Uhr.
Am Sonntagnachmittag laden die Laarer Schützen um 16 Uhr in das Festzelt ein. Der Zapfenstreich findet in den Cordian-Hausgemeinschaften (Austraße 3 in Laar) statt und die Königs- sowie Showparade vor der Kirche an der Kanzlerstraße statt. Gegen 20.30 Uhr ist die Inthronisation des neuen Königspaares und des Prinzen vorgesehen. Das Schützenfest endet dann mit einem Krönungsball.
30.01.2026 - WAZ
KG Rot-Gold Laar lädt zu drei Events ein
Die Karnevalsgesellschaft Rot-Gold Laar lädt zu drei Veranstaltungen ein, die im Duisburger Karnevalskalender fest etabliert sind. Unter dem Motto „Zeitreise“ beginnt der Familienkarneval am Donnerstag, 12. Februar, um 16.11 Uhr in der Turnhalle an der Erzstraße. Der Eintritt ist für alle Besucherinnen und Besucher frei. Das Programm umfasst laut den Organisatoren unter anderem Tanzeinlagen des Männerballetts „Deichelfen“, Songs der „Kaktusspatzen“, den Auftritt der rot-goldenen Tanzgarde sowie Schlagersänger Pierre André. Auch Prinz Toni I. und die Duisburger Kinderprinzencrew werden für diesen Nachmittag erwartet.
Die Karnevalsparty am Freitag, 13. Februar, ist bereits ausverkauft. Für die Prunksitzung am Samstag, 14. Februar, gibt es jedoch noch Karten. Diese Veranstaltung findet ebenfalls in der Turnhalle an der Erzstraße statt. Die Band „Ruhrkölsch“ wird dann Karnevalsklassiker und Hits kölscher Bands präsentieren. Die Tanzgruppe „Die Schlebuscher“ aus Leverkusen sorgt mit abwechslungsreichen Choreografien und Tanzakrobatik für eine besondere Note. Zudem wird Büttenrednerin „Jenny“ mit scharfzüngigen Kommentaren zum Welt- und Lokalgeschehen auftreten.
Tickets können unter der Telefonnummer 0177 2727398 oder über die Internetseite rotgold-laar.de erworben werden.
08.01.2026 - WAZ - Annette Kalscheur
Feuerwehr musste sich durch die Trümmer kämpfen
Vor 25 Jahren erschütterten Explosionen das Kraftwerk Ruhrort – ein herausfordernder Einsatz für die Feuerwehr. Der Einsatzleiter blickt zurück.
„Das Einsatzstichwort lautete Explosion“, erinnert sich Michael Görtzen. Der heutige Leiter der Duisburger Feuerwehrschule war vor 25 Jahren einer der Einsatzleiter, als das Kraftwerk Ruhrort eine Druckwelle durch ganz Laar geschickt hatte. „Als wir in die Deichstraße einbogen, konnten wir am Kraftwerk noch gar nichts sehen, aber die Straße war voll mit Trümmern“, war sein erster Eindruck.
Weil die gleichzeitig eintreffende Werkfeuerwehr von Thyssen erst mal ermitteln musste, ob man das Kraftwerk überhaupt betreten kann, schickte Görtzen seine ersten Einsatzkräfte los in den Stadtteil. „Wir wussten ja nicht, wo das Drama am größten ist, ob Menschen verletzt sind oder eingeklemmt.“
Keine Verletzten
Erst als klar war, dass es keine Verletzten gegeben hat und wir „echt großes Glück“ hatten, wurden weitere Aufgaben wahrgenommen. Viel zu tun gab es neben der Straßenräumung aber nicht: „Das eigentliche Feuer haben wir mit einem C-Rohr gelöscht, da brannte nach der Explosion noch ein bisschen Dachpappe und Isolierung, das war nicht dramatisch.“ Der durch die Explosion entstandene Sachschaden, sowohl im Kraftwerk als auch in der Umgebung, war allerdings erheblich.
Seine erste Sorge vor einer weiteren Explosion sei schnell der professionellen Einschätzung gewichen: „Bei Gas ist es erst mal ein gutes Zeichen, wenn eine Flamme da ist. Dann verbrennt es und kann sich nicht weiter ansammeln.“
Erst acht Tage zuvor hatte Görtzen offiziell seine Fortbildung zur Führungskraft abgeschlossen, „aber so ein Einsatz tauchte in der Ausbildung nicht auf“, erinnert er sich. Bei „normalen“ Unglücken in Wohnungen etwa kann man die Gaszufuhr abdrehen. Bei einem Kraftwerk sei das nicht mal so eben möglich. Und üblicherweise koordiniere er das Löschen von Bränden, nicht das Ausschwärmen in einen ganzen Stadtteil.
Über so manches kann der heutige Oberbrandrat im Rückblick auch schmunzeln. So wurde über Radio und Durchsagen kurz nach dem Unglück gemahnt, Türen und Fenster zu schließen. „Da haben dann viele Laarer bei der Leitstelle angerufen, wie sie das machen sollen, wo doch ihre Scheiben zerstört sind.“
Pech hatte auch die Löschgruppe Laar, die damals direkt gegenüber vom Kraftwerk ihre Wache hatte. Durch die Explosion war das Tor so eingebeult, dass es sich nicht mehr bewegen ließ, erinnert sich der 58-Jährige. „Da haben sie den größten Einsatz ihrer Geschichte vor der Tür und können nicht ausrücken.“
08.01.2026 - WAZ - Annette Kalscheur
Seltener Einblick in das Mega-Kraftwerk
Mitten im Stadtteil Laar verwandelt das Kraftwerk Ruhrort Hüttengas in Strom – dank Rheinwasser und ausgeklügelter Technik.
Das Kraftwerk Ruhrort, einst als Hermann-Wenzel-Kraftwerk gegründet, gehört zur kritischen Infrastruktur in Duisburg . Es liegt mitten im Wohngebiet und hat vor 25 Jahren bei einer Explosion seine Wirkungskraft gezeigt. Die Backstein-Fassade ist unscheinbar, der älteste Teil aus 1955, „aber dahinter steckt modernste Technik“, sagt Leiter Wolfgang Wiese. Und das Leistungsvermögen ist enorm: Zusammen mit dem Kraftwerk Hamborn könnte die ganze Stadt mit Strom versorgt werden . Überwiegend nutzt Thyssenkrupp Steel die Energie allerdings selbst.
„Da haben sich die Vorväter vor 70 Jahren was richtig Gutes einfallen lassen“, findet Wiese: Das Kraftwerk nutzt Prozessgase, die bei der Produktion von Stahl in den Hüttenwerken von TKS anfallen. Es wird in dicken, grünen Stahlrohren transportiert, die sich durch den Duisburger Norden schlängeln, an Straßen entlang, über Supermarkt-Parkplätze, unter Autobahnen durch und rein ins Kraftwerk. Über ein Umspannwerk geht der produzierte Strom dann wieder zurück, zum Teil auch ins öffentliche Netz. Die Wirkmacht der Kraftwerke entspreche der Leistung „von 200 sehr großen Windkraftanlagen“, verdeutlicht Wiese.
Das Kraftwerk besteht aus zwei Hauptgebäuden, dem Kesselhaus und dem Maschinenhaus. Auf der einen Seite produzieren die Brenner den nötigen Dampf, mit dem auf der anderen Seite die Riesen-Turbinen zur Rotation gebracht werden und Strom produzieren. Etwa 250 Meter lang ist die Turbinenhalle hier, in Oberhausen verbindet man damit nur noch eine legendäre Großraumdisco.
Früher wurde noch Kohle angeliefert
Oberhausen ist auch sonst eine gute Vergleichsgröße: Der Gasometer fasst 120.000 Kubikmeter Gas. „Den machen wir in einer Viertelstunde mit dem Gas aus den Hochöfen voll“, erklärt Wiese. Damit aus dem Gas Strom werden kann, mussten 350 Kilometer Rohrleitungen verlegt werden.
Früher wurde noch Kohle angeliefert und zu Strom gemacht, seit Ende der 80er Jahre wird in dem Kraftwerk nur noch mit Hüttengas gearbeitet. Auch wenn die Rohre außen ein bisschen rostig wirken: Sie wurden entlang der kompletten Strecke zwischen Hamborn und Ruhrort in großen Teilen erneuert, betont Thyssenkrupp Steel. Mehrere Kilometer schlängelt sich die durchschnittlich mannshohe Leitung durch die Stadt und führt das Koks- und Gichtgas zum Kraftwerk in Ruhrort. Durch manche der Gasleitungen würde sogar ein Auto passen, sagt Wiese.
In Block 4 führen dicke gelbe Rohre das Koksgas zu den Brennern der Kesselanlage. Wer es genau wissen will: In beiden Brennkammern werden in Summe 440.000 Nm³/h Hochofengas und 40.000 Nm³/h Koksgas verfeuert. Pro Stunde.
Im Inneren der 13 Meter hohen Brennkammer herrscht ein gigantisches Feuerinferno: Geschützt durch eine extra Scheibe können wir wie durch ein Bullauge hineinschauen und sehen lodernde blaue Flammen an einem der Hochofengasbrenner, die wie Aquarellfarbe von stürmischen Winden verwirbelt werden. An den Wänden führen innen dicht an dicht Rohrleitungen entlang, darin ist Wasser. Es wird zu Dampf erhitzt, auf 540 Grad gebracht und mit hohem Druck auf eine Turbine geführt.
Die Schaufeln an der Turbinenwelle drehen sich in der Turbine mit 3000 Umdrehungen pro Minute und treiben so einen Generator an, der nach dem Prinzip eines Fahrrad-Dynamos Strom produziert. Nur eben in XXL. Am Ende kühlt sich der Dampf so ab, dass er als Wasser niederschlägt – und der Kreislauf beginnt von vorn.
Das Prinzip der Dampfkesseltechnik ist über 100 Jahre alt, sagt Wiese, „nur die Wirkungsgrade sind heute besser“. Was hier an Strom produziert wird, könnte die ganze Stadt am Laufen halten. Es wird aber nur bei Bedarf ins öffentliche Netz eingespeist. Ein kleiner Teil landet bei benachbarten Industrien. Früher wurden Anwohner wie die Kirche, die Feuerwehr und auch Nachbarhäuser mit Fernwärme vom Kraftwerk beliefert. Auch das Schwimmbad, das heute als Binnenschifffahrtsmuseum dient, wurde mit den Abfällen der Hochöfen geheizt.
Das Prinzip der Stromproduktion hat sich seither kaum verändert, aber die Sicherheitsmaßnahmen werden kontinuierlich optimiert, die Prozesse modernisiert. Die Blöcke 3 und 4 wurden zum Beispiel mit modernen Katalysatoren nachgerüstet. „Ziemlich aufwändig, diese in die bestehende Infrastruktur einzubauen“, sagt Heinz-Gerd Schmitz, der als ältester Hase am Standort die Modernisierung organisierte.
Die Kraftwerke Hamborn und Ruhrort funktionieren recht ähnlich. Auffälligster Unterschied: In Hamborn steht ein Kühlturm, in Ruhrort wird mit Rheinwasser gearbeitet. „Wir führen das Flusswasser sauberer zurück, als wir es angesaugt haben“, betont Wolfgang Wiese. 75.000 Kubikmeter Wasser werden pro Stunde an der Mühlenweide aus dem Fluss geholt. Später wird es am Eisenbahnhafen maximal zehn Grad wärmer wieder eingeleitet.
Beim Ansaugen landen gelegentlich Fische in der Einlaufkammer. Vor ein paar Jahren waren auch mal ein paar Welse in dem schwimmbadgroßen Becken. Die hat dann ein Angler herausgeholt und zurück in den Rhein gebracht, sagt Heinz-Gerd Schmitz, Teamleiter Produktion Kraftwerke.
TKS muss deshalb eine Fischereiabgabe an die Bezirksregierung zahlen. Für Schmitz ist das nur folgerichtig: „Wir nutzen das Wasser und für die Konsequenzen zahlen wir.“ Es gehe nicht um säckeweise Fische, betont er, „aber immer mal wieder verirrt sich einer und strömt über die drei Rohre ins Einlaufauge“.
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