News 2021 - Nachrichten aus Laar


25.02.2021 - WAZ - Oliver Kühn

 

Kritik: Fördermillionen für Laar verfehlen wichtige Ziele

Die Stadt Duisburg ist mit der Bilanz des Förderprogramms „Soziale Stadt“ in Laar zufrieden, der Runde Tisch nicht. Das sind die Gründe.

 

Die Fördermillionen des nun auslaufenden Programms „Soziale Stadt“ hatte das kleine Duisburg-Laar dringend nötig, findet der örtliche Runde Tisch. Mit dem Geld sind seit 2014 demnach viele gute Projekte angestoßen worden, doch ein für die Menschen wichtiges Ziel bleibt unerreicht. „Die Zielsetzung, die soziale oder wirtschaftliche Lage mit städtebaulichen Mitteln zu verbessern, kann nicht erfolgreich sein“, resümiert die Vorsitzende des Runden Tisches Laar, Sigrid Goetting-Schlitt. Genau diese Hoffnung hätten die Menschen aber mit dem Programm verknüpft.

 

„Laar ist ein kleiner Ortsteil mit Dorfcharakter und circa 6000 Einwohnern, bei dem fast jeder zweite einen Migrationshintergrund hat. Fast ein Drittel ist arbeitslos, darunter sind viele Langzeitarbeitslose“, stellt die Vorsitzende ihre Heimat kurz vor. Zudem würden rund 40 Prozent aller Kinder von Hartz IV leben, und jeder siebte Haushalt sei verschuldet. Daher sollten die Investitionen auch erreichen, dass verstärkt junge Familien mit mittlerem Einkommen zuziehen.

 

Trotz Fördermillionen: Den Menschen in Duisburg-Laar fehlen Perspektiven

„Die Menschen sollten bessere Perspektiven haben, höher qualifiziert sein und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten“, so Goetting-Schlitt. Das sei jedoch gescheitert. Ihr zufolge fehlen weiterhin Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen und Begegnungsangebote zwischen verschiedenen Kulturen. Außerdem brauche es mehr Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche, Sprachförderung oder Hilfen bei schulischen Problemen. „So tolle Projekte wie die der Duisburger Werkkiste oder von Tausche Bildung für Wohnen fehlen in Laar.“

 

Dagegen gab es aber auch erfolgreiche Strukturen, die durch die „Soziale Stadt“ aufgebaut wurden und jetzt auslaufen oder bereits weggefallen sind. So bekommt der Stadtteilausschuss kein Geld mehr und ist inzwischen aufgelöst. In diesem Ausschuss haben Politik, Stadt und Einwohner die Maßnahmen des millionenschweren Förderprogramms begleitet.

 

Passé ist mit dem Ausschuss auch der Etat, mit dem jährlich für rund 30.000 Euro Projekte und Vorhaben von Vereinen, Initiativen oder Einrichtungen unterstützt wurden. So erinnert Goetting-Schlitt, die die Vertreterin der Bürgerschaft im Stadtteilausschuss war, an ein Graffiti-Projekt, mit dem die Jugendlichen aus dem Mädchenwohnheim mit dem Künstler Marten Dalimot den Musikpavillon im Florapark auf Vordermann gebracht haben. Zudem verweist sie auf generationsübergreifende Bewegungsangebot oder ein Schulmusikprojekt.

 

Mit dem Quartiersbüro geht eine wichtige Anlaufstelle verloren

Die Laarer trifft jedoch besonders, dass das Quartiersbüro der EG DU schließt. Eine Unterschriftenaktion zum Erhalt war vergebens. „Das war eine wichtige Anlaufstelle, wo man gehört wurde und wo auch Reaktionen erfolgten“, so Goetting-Schlitt. Ob wilde Müllkippen oder Ärger in der Nachbarschaft oder mit Behörden, das Quartiersbüro sei für viele Laarer die erste Adresse gewesen, um Hilfe zu bekommen.

 

„Das Büro hat im Stadtteil zu einer positiveren und konstruktiveren Zusammenarbeit geführt“, lobt sie. Es sei zwischen Bürgern, Behörden, Organisationen und Einrichtungen Bindeglied gewesen. Daher hoffe der Runde Tisch, dass vielleicht ein anderer Träger die Anlaufstelle fortführt, damit auch die aufgebauten Netzwerke nicht verkümmern.

 

Das Programm ermöglichte viele Projekte

Bei aller Kritik blickt Sigrid Goetting-Schlitt aber auch auf Erfolge: „Die Investitionen waren auf jeden Fall erforderlich. Es hat sich viel getan im Stadtteil.“ Der Bunker am neugestalteten Marktplatz ist abgerissen. Dort und andernorts sind zudem neue Spielplätze entstanden. Stark befürwortet wurde ebenso, dass Schrotthäuser an der heruntergekommenen Friedrich-Ebert-Straße abgerissen werden sollten, um die einstige Einkaufsmeile wieder attraktiv zu machen. Entstehen wird ein Park mit Spielmöglichkeiten und eine Grünverbindung zum Rheindeich.

 

„Das entwickelte sich zur Farce“, erinnert sich Sigrid Goetting-Schlitt. Nachdem die ersten Gebäude abgerissen waren, stockte das Vorhaben, weil Eigentümer ihre Grundstücke nicht verkaufen wollten. So gärte über Jahre der Umut im Stadtteil über vollmundige Versprechen, die die Stadt mutmaßlich nicht einhielt. Erst kürzlich besänftigte die Verwaltung die Laarer, als sie mitteilte, dass alle nötigen Flächen gekauft werden konnten.

 

Ebenfalls wird demnach der Deichpark gebaut, nachdem das Projekt wegen der Deichsanierung mehrfach verschoben wurde. Zumindest der erste Bauabschnitt soll bald beginnen.

 

Runder Tisch Laar: „Es gibt noch viel zu tun“

Letztlich habe die Soziale Stadt längst nicht alle Erwartungen erfüllt, findet Sigrid Goetting-Schlitt, aber dennoch viel im Stadtteil verbessert. Wenn auch nicht genug. „Es gibt noch viel zu tun.“

 

>> ANREIZE FÜR INVESTOREN

● Durch die Soziale Stadt flossen rund sechs Millionen Euro an Fördergeld nach Laar. Das hat auch Anreize für Investoren geschaffen, wie Sigrid Goetting-Schlitt vom Runden Tisch betont. So baut etwa die Gebag Wohnhäuser auf dem Gelände der abgerissenen Hauptschule.

 

● Am beliebten Fassadenprogramm haben sich auch Privatinvestoren beteiligt. Insgesamt wurden laut Stadtteilmanagerin Wiebke Claussen 67 Fassaden für gut 270.000 Euro verschönert.

 

● Die geplante Verschönerung der Ortseingänge kann nicht beendet werden. Die dafür nötigen Grundstücke sind nicht im städtischen Besitz.


19.02.2021 - WAZ - Oliver Kühn

 

Millionenförderung für Duisburg-Laar: Das hat's gebracht

Neuer Marktplatz, abgerissene Schrottimmobilien – das Programm „Soziale Stadt“ hat in Duisburg-Laar vieles angestoßen. Eine Bilanz zum Abschluss.

 

Mehrere Millionen Euro sind nach Duisburg-Laar geflossen, das 2014 ins inzwischen ausgelaufene Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen wurde. Nicht alle vorgesehenen Maßnahmen sind abgeschlossen, weil es etwa beim Flächenankauf und der Deichsanierung zu Schwierigkeiten kam. Zwar hält die Landesregierung an einzelnen Projekten fest, hat Laar aber nicht, wie von der Stadt Duisburg beantragt, in das Nachfolgeförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ aufgenommen. Dadurch müssen nun Angebote aufgegeben werden.

 

„Wir hätten uns gewünscht, dass die Förderung auch 2022 noch weitergeht. Aber wir können uns gar nicht beschweren, denn Duisburg bleibt ein großer Nutznießer“, sagt der städtische Abteilungsleiter für Stadtentwicklung Falko Kupsch. Er könne nachvollziehen, dass das Land NRW nun Stadtentwicklungsmaßnahmen in anderen Stadtteilen priorisiert, etwa den Campus Marxloh oder den Abriss eines weiteren Weißen Riesen in Hochheide. Immerhin seien zuletzt allein an Fördergeldern rund sechs Millionen Euro nach Laar geflossen.

 

Stadt Duisburg kauft in Laar weitere Grundstücke, um Projekte voranzubringen

Die Stadt Duisburg hält dennoch an größeren Projekten fest: So will sie an der für Laar wichtigen Friedrich-Ebert-Straße weitere Gebäude abreißen, um entlang der Hausnummern 105 bis 111 eine Grünanlage entstehen zu lassen. „Wir sind jetzt Eigentümerin der gesamten Fläche“, sagt Falko Kupsch. Die letzten Eigentümer haben demnach im Dezember verkauft und ziehen aktuell aus. Demnach würden die Abrissarbeiten noch dieses Jahr fortgeführt, so dass nach einigen Gutachten und Ausschreibungen die Grünanlage 2022 errichtet werde.

 

 

Einig wurde sich die Stadt auch mit dem Besitzer mehrerer Grundstücke nahe der Emscherhüttenstraße und der Deichstraße, deren Kauf noch in diesem Quartal über die Bühne gehen soll. Dies ist entscheidend, um die Grünverbindung zum Rheindeich und zum künftigen Deichpark umzusetzen – im Idealfall 2022. Zwar ist diese Maßnahme aus dem Programm „Soziale Stadt“ herausgefallen, aber laut Kupsch sind bereits neue Fördergelder dafür beim Land beantragt und parallel läuft die Suche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten.

 

 

Den Deichpark gibt die Stadt als „großes, zentrales Leuchtturmprojekt“ ebenfalls nicht auf, doch seine Umsetzung muss aufgrund der geplanten Deichsanierung verschoben werden. Allerdings soll die Neugestaltung, der erste von zwei Bauabschnitten, zwischen April und Oktober beginnen. Der zweite muss erst die Deichsanierung ab voraussichtlich 2023 abwarten.

 

Das Laarer Quartiersbüro wird geschlossen

Dagegen wurden gleich mehrere Angebote aufgegeben. Der Stadtteilausschuss existiert nicht mehr, in dem Verwaltung und Runder Tisch die Projekte begleiteten und zudem mit einem eigenem Budget 55 kleinere Maßnahmen finanzierten, um das Ehrenamt zu stärken. Das Hof- und Fassadenprogramm ist ebenfalls beerdigt. Geschlossen wird auch das Quartiersbüro der Duisburger Entwicklungsgesellschaft (EG DU) im Juni, die Mitarbeiter sind dann aber bis Jahresende im Marxloher Schwelgernpark weiter ansprechbar.

 

 

„Ein Projekt ist immer eine zeitlich befristete Maßnahme, für die konkrete Ziele formuliert sind“, betont Stadtteilmanagerin Wiebke Claussen, und in Laar sei man jetzt nun mal in der Abschlussphase. „Corona ist ein Hemmschuh“, räumt sie ein, möchte aber die Zeit bis zum Jahresende nutzen, um unterstützte Strukturen im Stadtteil zu erhalten, aber auch auf Erfolge zu schauen.

 

Der neugestaltete Marktplatz ist ein großer Erfolg

Als großen Erfolg sieht Claussen den neugestalteten Marktplatz, an dem der Hochbunker abgerissen wurde und wo ein Spielplatz entstand. Beide wurden mit Feiern eingeweiht. Dort baut die Gebag zudem Wohnungen. Erfreulich findet die Stadtteilmanagerin auch, dass sich etwa mit der Awo Integration neue soziale Träger in Laar angesiedelt haben und sich etliche Akteure untereinander vernetzt haben. Eine Sogwirkung hatte das Förderprogramm demnach auch bei vielen privatwirtschaftlichen Investoren und Hauseigentümern.

 

Zwar konnte man nicht alle ursprünglich geplanten Vorhaben umsetzen. So sind nicht alle Ortseingänge aufgehübscht worden. Doch letztlich sehen Falko Kupsch und Wiebke Claussen die Gesamtmaßnahme als Erfolg, der noch in einem Abschlussbericht erläutert werden soll – und mit einem Stadtteilfest gefeiert.

 

>> LAAR HAT WEITERHIN GROSSES POTENZIAL – AUCH FÜR TOURISTEN

● Stadtteilmanagerin Wiebke Claussen sieht weiterhin großes Potenzial in Laar. Den dörflichen Charakter mit der Nachbarschaftlichkeit sieht sie als einen ebenso großen Faktor wie die „wunderschöne Lage am Rhein“, die auch für Touristen und Radfahrer interessant sei. Solche Faktoren können ihrer Meinung nach auch künftig neue Einwohner und Investoren in den Stadtteil locken. Zudem hofft sie, dass Laar andere Anlaufstellen für Bürger und Netzwerker bekommt, wenn das Quartiersbüro schließt.

 

● Für die Sanierung des Bolzplatzes an der Apostelstraße, die ursprünglich zum Maßnahmenpaket der „Sozialen Stadt Laar“ gehörte, hat das Land NRW neue Fördermittel bewilligt. Die städtischen Wirtschaftsbetriebe sollen im Frühjahr mit den Arbeiten beginnen und sie zügig abschließen.


28.01.2021 - WAZ 

 

In Laar entstehen 19 barrierefreie Wohnungen

Die AWO baut an der Jahnstraße. Die Einheiten sollen mit weiteren Angeboten verknüpft sein

 

"Gewisse Extras" und "innovative Ideen" verspricht die Arbeiterwohlfahrt (Awo) für ihr neues Bauprojekt in Laar. Bis 2023 soll an der Jahnstraße/Friesenstraße Wohnraum mit besonderen sozialen Angeboten entstehen. Zu der Anlage wird laut Awo etwa ein sogenannter Mini-Campus gehören, wo U3-Kindertagesbetreuung für neun Mädchen und Jungen angeboten wird.

 

Solaranlage auf dem Dach

Hartmut Ploum verantwortet die Bautätigkeit der Duisburger Awo und beschreibt die "guten Eigenschaften" des geplanten Gebäudes so: "Wir bauen nachhaltig und umweltbewusst, heizen zum Beispiel mit Erdwärme. Einen Teil des hauseigenen Stroms erzeugt demnach eine Solaranlage auf dem Dach des fünfstöckigen Neubaus. Eine Ladestation soll ermöglichen, dass E-Scooter von Bewohnern beim Parken gleich aufgetankt werden können.

 

Die Awo will an dem Standort zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit demenziellen Veränderungen einrichten. In diesen "Demenz-WGs" könnten bis zu zehn Menschen sich mit dem größtmöglichen Maß an Selbstständigkeit sicher und zuhause fühlen. Eine Tagespflege für bis zu 20 ältere Menschen soll es ebenfalls geben. Hartmut Ploum: „Die Wohnanlangen befinden sich in unmittelbarer Nähe unseres örtlichen Seniorenzentrums." Das Gesamtkonzept mit vielen unterschiedlichen Angeboten für ein besseres Leben im Alter stelle sicher: "Jeder bekommt die Hilfe und Unterstützung, die in dieser Phase gerade notwendig ist."

 

Tiefgarage mit Parkplätzen

In Laar, direkt neben dem Wohndorf mit Awo-Pflegeheim, finden zudem die Büros des Awo-Pflegedienstes Nord neue Räume. Für das zweite Stockwerk sind insgesamt 19 Wohnungen vorgesehen, "mit Balkon und allem Komfort, der Wohnen im Alter attraktiv und sicher macht." Eine Tiefgarage soll die Parkplatzsuche ersparen. Die 48 bis 68 Quadratmeter großen Wohnungen werden barrierefrei sein und an das Awo-Hausnotrufsystem angeschlossen.


Februar 2021 - Der Meidericher

 

19 Seniorenwohnungen in Laar

 

Zu den "gewissen Extras" zählen auch die innovativen Ideen: Die Duisburger AWO richtet erstmals Wohngemeinschaften für Menschen mit demenziellen Veränderungen ein.

 

"Demenz-WGs" sind für die Anlage auf dem alten Kindergartengelände an der Friesenstraße 10 in Laar geplant. Menschen können sich dann mit dem größtmöglichen Maß an Selbstständigkeit in diesen Wohngemeinschaften sicher und zuhause fühlen. Zudem erhält Laar eine Tagespflege für bis zu 15 ältere Menschen.

 

Hartmut Ploum: „Die Wohnanlangen befinden sich in unmittelbarer Nähe eines unserer AWOcura-Seniorenzentren." Das Gesamtkonzept mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Angeboten für ein besseres Leben im Alter stellt damit sicher: Jeder bekommt die Hilfe und Unterstützung, die in dieser Phase gerade richtig und notwendig ist."

 

In Laar, direkt neben dem Wohndorf Laar mit dem AWOcura-Pflegeheim, finden in dem Haus am Rheindeich zudem die Büros des AWOcura-Pflegedienstes Nord neue, großzügig gestaltete Räume. Im zweiten und dritten Obergeschoss entstehen dann insgesamt 19 Wohnungen mit Balkon und allem Komfort, der Wohnen im Alter attraktiv und sicher macht. Für den Fall, dass ein Aufzug ausfällt, werden zwei Aufzüge eingebaut. Somit wird sichergestellt, dass die Bewohner auch aus den oberen Etagen immer altersgerecht zu ihren Wohnungen kommen und in Notfällen versorgt werden können. Eine Tiefgarage erspart die Parkplatzsuche. Die Wohnungen haben Größen zwischen 48 und 68 Quadratmetern. Dass die Wohnungen barrierefrei sind, ist ebenso selbstverständlich wie der Anschluss ans AWO-Hausnotrufsystem.