News 2022 - Nachrichten aus Laar


12.01.2022 - WAZ - Oliver Kühn

 

Unternehmer will Kirche umbauen

Wohnungen, Feten, Konzerte – in dem aufgegebenen Gotteshaus in Laar will Thomas Ophardt seine Vision vommodernen Treffpunkt verwirklichen. Erste Mieter sollen noch in diesem Jahr einziehen.

 

Der Unternehmer Thomas Ophardt hat eine genaue Vorstellung davon, wie eine moderne Kirche sein muss. Menschen in der Nachbarschaft sollen sie wieder gerne mit Leben füllen und zum Treffpunkt ihres Viertels machen. Umsetzen will Ophardt seine Vision in Laar, wo er das ehemalige Kirchengebäude an der Apostelstraße samt Grundstück gekauft hat. Damit das Gotteshaus auch der Nachwelt bleibt, hat er sich bei der Stadt Duisburg für dessen Denkmalschutz erfolgreich stark gemacht – auch wenn er dadurch jetzt vielleicht seine Pläne ändern muss.

 

„Mein oberstes Ziel ist es, die Kirche für die Allgemeinheit zu erhalten“, sagt Ophardt. Das neue Baudenkmal soll weiterhin als Kirche genutzt werden, doch auch Wohnungen und Einzimmerapartments beherbergen, eine Tribüne und eine Bühne sowie ein Konferenzzimmer bekommen. Durch den Denkmalschutz, erst im Herbst von der Bezirksvertretung beschlossen, soll frischer Wind in das Projekt kommen.

 

Bebauungsplan torpediert Pläne

Dabei weiß er noch nicht, zu welchen Maßnahmen ihn die Untere Denkmalschutzbehörde beim Umbau verpflichtet. „Wenn ich auf die Wohnungen verzichten muss, dann ist so. Das ist mein Risiko“, gibt sich Ophardt gelassen und verspricht, dass die Kirche in jedem Fall ein moderner Treffpunkt wird.

 

Seitdem der 57-Jährige aus Issum, der selbst evangelisch ist, im Januar 2019 als neuer Besitzer die Schlüssel von der Evangelischen Gemeinde Ruhrort-Beeck entgegennahm, ist an der Apostelstraße kaum etwas passiert – nicht zuletzt wegen Corona und dem Denkmalschutzverfahren. Die Heizanlage ist erneuert, und es gibt nun Telefon und Internet. Dennoch sollen möglichst noch in diesem Jahr die ersten Mieter einziehen und die Menschen im Stadtteil eine Weihnachtsfeier abhalten. „Hier muss wieder Leben rein.“

 

Die Anzahl der Wohneinheiten steht jedoch noch nicht fest. Der ursprüngliche Entwurf vom beauftragten Architekten Jörg Hetkamp sah eine Wohnung mit 110 und eine kleinere mit 75 Quadratmeter im Bereich des Altarraums auf drei Etagen vor, im Souterrain, Erdgeschoss und Obergeschoss. Im Seitenschiff sollten zudem sieben möblierte Einzimmerapartments entstehen. Mittlerweile soll es noch zwei, drei weitere Apartments im Dachgeschoss geben, da sich herausstellte, dass die Decke nicht, wie zunächst vermutet, abgehängt ist. Statt dessen habe sie, so Ophardt, eine robuste Stahlkonstruktion.

 

Eine Pension und ein Restaurant, mit denen der Eigentümer zunächst liebäugelte, wird das Kirchgebäude jedoch künftig nicht bieten, der Bebauungsplan untersagt eine solche gewerbliche Nutzung. Davon lässt sich Thomas Ophardt nicht entmutigen, sieht sich vielmehr kreativ herausgefordert und hat bereits Lösungen parat: Single-Apartments für Kurzzeitmiete und ein Kirchenbistro, das vielleicht von einem gemeinnützigen Förderverein betrieben wird.

 

Herzstück des Baudenkmals bleibt aber der Kirchraum. Die Holzbänke weichen einer Tribüne für 200 Zuschauer, die auf eine Bühne vor einer großen LCD-Wand blicken. Redner sollen dort Vorträge halten, Chöre singen oder Musiker Konzerte spielen. Zudem bleibt die Orgel erhalten, teilt sich die Empore aber künftig mit einem Thekenbereich. Gemeindefeste, kirchliche Trauungen mit Hochzeitsfeier und Gottesdienste sollen demnächst wieder in der Kirche gefeiert werden, ohnehin läuten weiterhin die Glocken.

 

Kirche soll Lebensmittelpunkt sein

„Ich möchte, dass die Leute durch Neugierde wieder in diesen kirchlichen Raum kommen, das ist mein Ziel“, erläutert der Unternehmer, der in Ruhrort eine kleine Werft betreibt und der bedauert, dass inzwischen viele Gotteshäuser leer stehen. Sein Bauvorhaben sieht er daher als Vorzeigeprojekt, mit dem er Kirchengemeinden Mut machen will, mit ihren Gebäuden und Baudenkmälern durchaus auch mal etwas zu wagen.

 

 

Insgesamt zwei Millionen Euro kostet das Bauprojekt samt Grundstückskauf nach aktuellem Plan. Zeitdruck empfinde Thomas Ophardt jedoch nicht, weshalb er den Umbau grundsätzlich optimistisch begleite. Er ist hoffnungsvoll: „Die Kirche hier kann für viele Menschen wieder der Lebensmittelpunkt werden.“

 

>> Sechsstelliger Kaufpreis für Gebäude und Grundstück

● Die ehemalige Laarer Kirche an der Apostelstraße 58 wurde 1908 eingeweiht und nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Seit 2014 feiert die Gemeinde Ruhrort-Beeck dort keine Gottesdienste mehr, danach haben bulgarische Christen das Gebäude genutzt. Im Sommer 2021 fand darin, unter dem aktuellen Eigentümer, der bisher letzte Gottesdienst, eine Trauung, statt. Aktuell nutzen zudem eine Band und der CVJM die Räume.

 

● Der Unternehmer Thomas Ophardt wurde durch Zufall auf die Kirche aufmerksam, als er seine damals in Laar lebende Tochter besuchte. Er kaufte der Kirchengemeinde die Immobilie samt Grundstück für einen sechsstelligen Betrag ab; bei der Höhe will er sich an Empfehlungen des Gutachterausschusses der Stadt Duisburg orientiert haben.


12.01.2022 - WAZ - Oliver Kühn

 

Aufgegebene Kirche steht unter Denkmalschutz

Gotteshaus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut

 

Sie ist ein wichtiges steinernes Zeugnis gleich zweier Epochen, der Industrialisierung und des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Als neues Baudenkmal wird die ehemalige evangelische Kirche in Laar jetzt erhalten bleiben. Das hat die Bezirksvertretung Meiderich/Beeck unlängst beschlossen und ist damit dem Vorschlag der Stadt Duisburg gefolgt.

 

Die Fachleute im Rathaus hatten zuvor ihre Einschätzung schriftlich untermauert, dass das 1907 und 1908 errichtete Gotteshaus, das nach schweren Kriegsschäden wieder aufgebaut wurde, ein bedeutendes Kulturgut ist.

 

An Tradition angeknüpft

Die vom Ruhrorter Architekten Fritz Niebel errichtete einschiffige Saalkirche mit fünfstöckigem Turm belegt demnach den raschen Zuzug protestantischer Industriearbeiter der damaligen Hütte Phoenix in ein ursprünglich katholisch dominiertes Gebiet und ihr Streben nach einer eigenen Gottesdienststätte. In der Hauptausbauphase des modernen Laars war die Kirche eine der Leitbauten, in denen sich das öffentliche Leben konzentrierte.

 

Beim Bombenangriff am 14. Oktober 1944 wurde die Gotteshaus teilweise zerstört. Jedoch blieb genug erhalten, darunter der Turm und ein Großteil der mit der Tuffstein verkleideten Außenmauern, dass der Duisburger Architekt Urban Roth bewusst mit der Restaurierung und nicht mit einem Neubau beauftragt wurde.

 

 

„Die Kirche ist ein anschauliches Beispiel für den vereinfachenden, aber sich anpassenden Wiederaufbau auf Grundlage des Altbaus“, urteilen die städtischen Denkmalschützer, deuten dies aber nicht als Ergebnis eines Sparzwangs, sondern vielmehr „als bewusstes Anknüpfen an die vorhandene Tradition“. Im Inneren dagegen wurden lediglich große Teile der ursprünglichen Raumkonzeption übernommen. Dennoch sei die „Schlichtheit des Innenausbaus“ ein Zeitzeugnis der Nachkriegszeit.

 

Inzwischen steht ein weiterer Umbau an, nachdem der Unternehmer Thomas Ophardt das Gebäude 2019 gekauft hatte. Über sein Bauvorhaben stehen noch weitere Gespräche zwischen ihm und den städtischen Denkmalschützern aus.


07.01.2022 - WAZ - Christian Schmitt

 

Abriss soll im Februar beginnen

Die letzten Schrottimmobilien an der Friedrich-Ebert-Straße in Laar sollen verschwinden. Danach kann auf der Brachfläche die geplante Grünanlage entstehen. Maßnahme ist noch im Förderprojekt enthalten

 

Noch ein paar letzte Häuser stehen dem kleinen Park im Weg, der im Norden von Laar entstehen soll. Lange hatte die Stadt Duisburg Mühe, den Besitzer einer der maroden Immobilien vom Verkauf zu überzeugen. Nachdem dies aber 2020 doch gelungen ist, steht jetzt offenbar der Abriss kurz bevor. Wie die Stadt auf Nachfrage der Redaktion bestätigt, sollen die Abbrucharbeiten in wenigen Wochen beginnen.

 

Ein hartnäckiger Eigentümer ist der Grund dafür, dass die Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße 105 bis 111 immer noch stehen. Der Mann wohnte selbst in einem der Häuser. Dort wollte er bleiben, und dachte lange nicht daran, an die Stadt zu verkaufen.

 

 

Besitzer wollte nicht verkaufen

Sein Zögern wirkte sich schließlich auf die Abrisspläne für die benachbarten Gebäude aus: Denn sein Haus ist statisch mit den links und rechts davon stehenden verbunden. Hätte die Stadt die Häuser rund um dieses eine Gebäude abreißen wollen, hätte sie aufwändige Maßnahmen ergreifen müssen, um das verbleibende Bauwerk zu sichern. 2020 ließ sich der Eigentümer dann aber doch überzeugen, und die Stadt konnte sein Haus erwerben.

 

 

„Nach langjährigen und erfolgreichen Bemühungen können die Ziele des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Laar nunmehr umgesetzt werden“, teilt Stadtsprecher Falko Firlus auf Anfrage mit. „Das Immobilien-Management Duisburg bereitet derzeit die Abbrucharbeiten vor, die voraussichtlich ab Anfang Februar beginnen werden.“ Zuvor müssen laut Firlus noch notwendige Schadstoffsanierungen und Entkernungsarbeiten im Gebäude erfolgen.

 

Im Anschluss an die Abbrucharbeiten erfolge dann die Herrichtung der geplanten Grünanlage. Die Entwurfspläne dafür hat das Umweltamt erstellt. Zur Gestaltung dieses kleinen Parks fanden im Jahr 2019 sowohl im Stadtteilbüro Laar als auch auf dem Marktplatz Bürgerbeteiligungen statt. „Die darin zusammengetragenen Ideen und Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger sind mit in die Planungen eingeflossen“, so Firlus.

 

Die Neuentwicklung der Brachfläche zwischen Franklinstraße und Thomasstraße soll noch über das Förderprogramm „Soziale Stadt“ erfolgen. Mehrere Millionen Euro sind in diesem Rahmen bereits nach Laar geflossen. Das Förderprogramm ist eigentlich im vergangenen Jahr ausgelaufen, bevor alle vorgesehenen Maßnahmen umgesetzt werden konnten.

 

 

Doch noch im September 2020 hat die Stadt nach eigenen Angaben den Abriss erneut für das Förderprogramm angemeldet. Im Frühjahr 2021 erfolgte demnach die Bewilligung der Mittel für den Abbruch der Häuser sowie die Herrichtung der Grünfläche.

 

Bereits zwischen 2014 und 2018 waren die ersten Häuser in diesem Bereich angekauft worden. Knapp 1,7 Millionen Euro sollte die gesamte Maßnahme laut Auskunft der Stadt im Jahr 2018 kosten. Diese Summe setzt sich zusammen aus 773.000 Euro für den Grunderwerb, 565.000 Euro für den Abriss der Häuser und 355.000 Euro für den Umbau der Fläche als Park.

 

Deichpark soll folgen

• Auch nach Auslaufen des Förderprogramms sollen Maßnahmen aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept noch umgesetzt werden. Den Deichpark etwa gibt die Stadt nicht auf, doch seine Umsetzung musste aufgrund der geplanten Deichsanierung verschoben werden.

 

• Doch zumindest der erste von zwei Bauabschnitten für den Deichpark soll schon in diesem Jahr beginnen. Für den zweiten Bauabschnitt muss die Deichsanierung abgewartet werden.