News 1973-1975 - Nachrichten aus Laar


19.03.1973 - WAZ - -wer

 

Die engen Fesseln sprengen

Lebenswert erfordert Sprung über den Rhein

OB Masselter: 57 v. H. der Duisburger Wohnungen sind unmodern

 

„Wir müssen unsere Stadt mit all ihren Schwächen aber auch Stärken sehen. Wie keine andere lebt sie mit und von der Industrie. Duisburg ist die Stadt mit dem größten Wirtschaftspotential in NRW, wobei wir noch mit einem weiteren Ausbau zu rechnen haben", erklärte in einem Referat über Wohn-, Freizeitwert und Umweltschutz Oberbürgermeister Masselter in der Jahreshauptversammlung der Bürgervereinigung Duisburg-Laar im Laarer Jugendheim.

 

Mit dem Anblasen neuer Hochöfen im Duisburger Raum gingen andere im östlichen Ruhrgebiet aus. Hierdurch wie auch durch die Stilllegung des Bergbaues hätten manche Revierstädte heute um die Erhaltung von Arbeitsplätzen zu kämpfen. Die einseitige Struktur der Eisenproduktion in unserer Stadt führe zwangsweise zur Zusammenarbeit mit anderen Produktionszweigen. Durch diese Maßnahmen wurden auf Jahre hinaus die Arbeitsplätze gesichert.

 

In seinen weiteren Ausführungen versuchte der Oberbürgermeister die zugleich fatale und gute Situation Duisburgs darzustellen. Die Chance dieser Stadt sei ihre vorteilige Lage an der Rheinschiene mit den vielen Facharbeitern, der Universität, den Fachschulen, Krankenhäusern und vielfältigen sportlichen Möglichkeiten.

 

Die Abwanderung habe vielerlei Ursachen, sagte Masselter. Entscheidend sei dabei, dass es durch Stilllegungen und Einschränkungen mancher Betriebe zu einer Reduzierung der Arbeitsplätze gekommen sei. Das werde meist übersehen. Darüber hinaus seien die Ansprüche auf Wohnqualität und saubere Umwelt größer geworden. So sei der Wohnungsbestand in unserer Stadt zu 57 Prozent völlig überaltert und bedürfe dringend der Modernisierung oder Verlegung. Wir müssten in Duisburg dazu übergehen, die engen Fesseln dieser Stadt zu sprengen. Dabei komme man nicht umhin, den Rhein zu überschreiten, wenn durch gezielte Maßnahmen unsere Stadt lebenswerter gemacht werden solle.

 

Dabei müsse sich der Rat städtische Hilfen für die Altbausanierung einfallen lassen. Masselter trat dafür ein, die Stadtteile Ruhrort-Laar und Beeck-Beeckerwerth durch siedlungsmäßige Einheiten zu tragfähigen Siedlungsräumen zu machen.

 

Im Umweltschutz, so sagte der OB, habe man auch eine kommunale Aufgabe zu sehen. Es müssten alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, in unserer Stadt wohnen und leben zu können. Hierbei komme es auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Industrie und Bürgerschaft an.

 

Bei der vorausgegangenen Erledigung der Regularien hieß Vorsitzender Theo Barkowski neben dem Oberbürgermeister unter den Gästen auch mehrere Ratsherren und Vertreter der benachbarten Bürgervereine willkommen. Der ausführliche Geschäftsbericht von Günter Rubbert basierte auf einer ersprießlichen und erfolgreichen Arbeit im verflossenen Jahr. Der gesamte Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt.


19.03.1973 - NRZ

 

Mehr Industrie:

Stadt verliert weiter Bürger

 

Oberbürgermeister Arnold Masselter vertrat vor der Bürgervereinigung Laar die Auffassung, dass in Duisburg mit einer noch weiteren Konzentration der Industrie zu rechnen ist. Die Stadt werde, so meinte der OB, in den nächsten Jahren noch mehr Einwohner verlieren.

 

Der Oberbürgermeister sieht dennoch die Überlebenschance der Stadt „auf Jahre hinaus gesichert", denn der Trend gehe eindeutig zur Rheinschiene. Die Industrie dränge aus dem östlichen Westfalen mit Macht an den Niederrhein.

 

Auf die kommunale Neuordnung eingehend meinte Masselter, dass der Stadt nichts Schlimmeres passieren könne als eine weitere Ausdehnung nach Norden und Süden. Von seiten Duisburgs habe niemals einer den Wunsch geäußert, Walsum zu schlucken. Duisburg liege vielmehr daran, Gebiete mit Baulandreserven zu bekommen.


19.03.1973 - NRZ - ff.

 

Arbeit am Rheindeich geht zügig voran

Jahreshauptversammlung in Laar

 

Zur Jahreshauptversammlung hatte die Bürgervereinigung Laar ihre Mitglieder ins katholische Jugendheim eingeladen. Die Beteiligung war erfreulich gut, was letztlich ein Beweis für das große Interesse ist. Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Referat von Oberbürgermeister Arnold Masselter, über dessen Inhalt wir auf der ersten Seite dieser Beilage hinweisen.

 

Der 1. Vorsitzende Theo Barkowski konnte einige Ratsherren, Vertreter der ATH Ruhrort und der Bürgervereine aus Ruhrort und Beeckerwerth, im Kreise der Mitglieder begrüßen.

 

Aus dem Geschäftsbericht von Günter Rubbert ging hervor, dass die Arbeiten am Rheindeich weiter fortgeschritten sind und man hofft, dass es bis zur Vollendung so bleibt. Zufrieden ist man auch über den Ausbau der Emscherhüttenstraße. Der unschöne Platz neben der Erzbahn ist verschwunden. Man hofft, dass der verbliebene Streifen bis zur Bahn in einen Grüngürtel umgewandelt wird. Auch der schlechte Zustand vor dem Eingang zur Bäderabteilung des St.-Joseph-Hospitals bedarf einer dringenden Renovierung. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Man wartet auf die Genehmigung des Straßenbauamtes.

 

Auch die Errichtung einer dringend erforderlichen Arztpraxis in der Deichstraße 63 steht vor ihrem Abschluss. SPD-Ortsvorsitzender Enkisch konnte eine positive Mitteilung machen.

 

Auch im Hinblick auf das gesellige und kulturelle Leben in Laar hat sich die Bürgervereinigung wiederum stark engagiert. Die schon zur ständigen Einrichtung zählenden Sonntagskonzerte im Florapark erfreuten sich im letzten Jahr einer besonders starken Resonanz. Auch das Heimatfest innerhalb der Duisburger Woche sowie der Altentag waren ein Erfolg. Der bunte Nachmittag brachte einen Ertrag von 2000 Mark, den die Laarer an das DRK-Zentrum für körperbehinderte Kinder in Beeckerwerth überwiesen.

 

Die Veranstaltungsreihe wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. Das erste Sonntagskonzert steigt am 2. Mai. Vier weitere musikalische Veranstaltungen folgen.

 

Aus den Regularien ging weiter hervor, dass die Laarer Bürgervereinigung über einen zufriedenstellenden Kassenbestand verfügt. Es wurde aber auch festgestellt, dass ein leichter "Mitglieder-Schwund" zu verzeichnen war.


19.03.1973 - Rheinische Post - Dieter Soika

 

Ratsherr Schwabenland:

'Wir sind doch keine modernen Maschinenstürmer'

Heftige Umweltschutzdiskussion in Laar

 

Annemarie Schild schien für einen Augenblick etwas verunsichert: „Wir Bürger müssen uns ja auch an die Gesetze halten", meinte sie. Ob solches Verhalten auch von der ATH zu erwarten sei? Annemarie Schild hegte Zweifel. Das jüngste Debakel um den Marxloher Großhochofen, aber auch der Ärger mit dem Kraftwerk in Laar und das Hineinwachsen der ATH während der letzten Jahre in die Wohnbezirke, dies alles zwang sie zu der Frage: „Was hat die ATH für die Bürger getan, die in ihrem Schatten leben müssen?"

 

Vor der Bürgervereinigung Laar nahm Dietrich Stempel dazu für die ATH Stellung: „Wir wollen die uns gemachten Auflagen einhalten, aber: es ist alles so fürchterlich kompliziert", entschuldigte sich Stempel. Ausgelöst worden war die Umweltschutz-Diskussion im Laarer Bürgerverein nach einem Referat von Oberbürgermeister Arnold Masselter über den „Wohn- und Freizeitwert" in Duisburg.

 

Arnold Masselters Prognose der weiteren Entwicklung der Einwohnerzahl war wenig erfreulich: Ruhrort zählte 1939 noch 10.885 Einwohner, heute sind es nicht einmal mehr 9000. In Laar lebten 1939 fast 14.000 Menschen, heute sind es nur noch 9000. „Wenn nichts geschieht", so der Oberbürgermeister, „könnte die Einwohnerzahl in beiden Stadtteilen auf je 6000 zurückgehen". Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen Duisburger Stadtteilen zu beobachten, stellte Masselter fest.

 

Gründe für den Bevölkerungsschwund nannte Masselter auch: trotz Erhöhung der Kapazitäten seien in vielen Industriezweigen die Arbeitsplätze weniger geworden. Ein „Zurückfahren" von Belegschaften habe vielfach stattgefunden. Das Wohnen in einigen Bezirken Duisburgs sei nicht mehr attraktiv. Während der ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts seien die Wohnbezirke dicht an die Industrieanlagen herangelegt worden, um kurze Arbeitswege zu erhalten. Zu 57 Prozent sei der Wohnungsbestand in Duisburg jetzt völlig überaltert, viel erneuert werden könne da auch nicht mehr. Masselter bemerkte ironisch: „Ein großer Kahlschlag rund um die Industrieanlagen würde vielleicht helfen."

 

Die wachsenden Ansprüche an Wohnwert und Umwelt könne Duisburg in seinen jetzt so engen Fesseln kaum befriedigen. Neben gezielten Sanierungsmaßnahmen mit einem Schwerpunkt z. B. in Hochfeld, gebe es nur einen Ausweg: „Die engen Fesseln müssen gesprengt werden, die rheinüberschreitende Lösung bei der Neugliederung muss kommen."

 

Kritische Fragen aus der Versammlung im Jugendheim an der Laarer Straße mussten sich dann die ATH-Vertreter gefallen lassen. Theo Barkowski, Vorsitzender der Bürgervereinigung, sprach eine Befürchtung dieses Stadtteils aus: „Ich möchte nicht hoffen, dass in 10 Jahren niemand mehr von Laar spricht, weil die Industrie über uns hinweggegangen ist."

 

Dietrich Stempel holte einen Stadtplan hervor und versicherte: „Die Friedrich-Ebert-Straße ist für die ATH eine Grenze, die sie nicht überschreiten wird." Auf die Belästigungen durch das Kraftwerk eingehend, meinte Stempel, mit der Gewerbeaufsicht würden zurzeit weitere technische Maßnahmen zur Umweltverbesserung abgesprochen.

 

Ratsherr Heinz Schwabenland (SPD) stellte fest: „Wir sind doch keine modernen Maschinenstürmer." Eine Stilllegung des Hochofens oder anderer Werksteile, so etwas wolle man ja nicht, sondern nur ein Ende der Belästigungen durch Staub und Lärm. Schwabenland meinte: „Wir wollen mit der Industrie leben, aber nicht durch sie sterben."


27.07.1973 - WAZ - fk

 

Untersuchungen abgeschlossen:

ATH sichert weitere Verbesserungen für die Sinteranlage zu

Schaden im Werk Ruhrort mittlerweile behoben

 

Im Werk Ruhrort der August-Thyssen-Hütte läuft jetzt alles wieder „in Reih und Glied". Das erklärte jedenfalls Friedhelm Lobemeier, Leiter der Produktion, den Beschwerde führenden Bürgern in einer Aussprache. Doch kaum hatte er seinen Satz vollendet, als eine riesige rostbraune Rauchwolke gen Himmel stieg und die Umwelt weiter verschmutzte. Sein Kommentar: „Da muss irgendetwas schiefgelaufen sein. Das ist nicht normal."

 

Noch vor kurzem hatten die Bewohner Ruhrorts und Laars Grund zur Klage: Eine Schweißnaht war geplatzt und durch das Sicherheitsventil strömte die Luft mit 1,5 Atü aus - verbunden mit höllischem Lärm. Lobemeier: „So etwas kann natürlich immer einmal passieren. Der Schaden ist jetzt behoben, und wir hoffen, dass damit Ruhe eingekehrt ist."

 

Derzeit wird untersucht, wie der austretende Staub weiter abgefangen werden kann. Allerdings wird eine solche Vorrichtung einige Millionen Mark kosten.

 

Abgeschlossen sind mittlerweile auch die Untersuchungen der Sinteranlage und die enormen Erdschwingungen im Werk Meiderich. Hier soll schon bald Abhilfe geschaffen werden.

 

Ratsherr Schwabenland fasste schließlich als Resümee zusammen: „Wir müssen halt mit dem Werk leben. Es dürfen die Menschen in unmittelbarer Nähe jedoch nicht unzumutbar belastet werden."

 

Im Übrigen sollen solche Gespräche zwischen Werk und Bevölkerung jetzt häufiger stattfinden, dann allerdings auf der zuständigen Ebene, dem Bürgerausschuss nämlich. Diesmal schien es mehr eine „Nur-CDU-Versammlung" gewesen zu sein, zu der sich lediglich einige SPDler gesellt hatten.


27.07.1973 - NRZ - ko

 

Bürger wollten gestern von Fachleuten wissen „was Sache ist"

ATH: „Lärm am Hochofen in Ruhrort wird sich nicht mehr wiederholen"

 

Über die Tücken des ATH-Hochofens VI in Ruhrort, der seit einiger Zeit wieder die Anwohner mit Staub und Lärm tracktiert (die NRZ berichtete darüber), ließen sich gestern Vertreter des Bürgerausschusses und des Laarer Bürgervereins unterrichten. Am Fuße des Hochofens versuchten Fachleute der ATH, den „Laien" verständlich zu machen, warum der Ofen mal wieder lärmt und stinkt.

 

Dabei schien es so, als hätte die Hütte die Probleme dieses Hochofens endlich vom Hals. Aber seit einigen Wochen ist es mit der Ruhe vorbei. Allein in einer Stunde hat eine Bürgerin 33 Pfeifgeräusche gezählt, Geräusche, die gestern selbst von den ATH-Ingenieuren als „infernalisch", also höllisch, bezeichnet wurden. Es sind die gleichen Geräusche, die dem Großhochofen Schwelgern I im Frühjahr dieses Jahres beinahe das Genick gebrochen hätten.

 

In erster Linie appellierte die ATH an das „gegenseitige Verständnis", so Oberingenieur Lobemeier. Auch Techniker seien nicht allwissend. Bei diesem Hochofen sei man seinerzeit „an die Grenzen des technischen Standes gestoßen".

 

Im Frühjahr hatte man in Marxloh dieselben Redewendungen schon einmal vernommen.

 

Die Bürger allerdings sahen das Problem anders. Ein Bürgervereinsmitglied: „Die ATH besteht nicht nur aus dem Hochofen. Der Hochofen ist nur der Anlass. Wir wollen wissen, was die ATH tut, damit diese Probleme generell einer Lösung zugeführt werden." Eine Bürgerin: „Der Wohnwert ist ohnehin schon stark gesunken. Wir wollen in Laar nicht auch noch der Fabrikhof der ATH werden." Und Kaplan Hans Linse, von der Gemeinde St. Ewaldi in Laar, der als „Privatmann" an dem Gespräch teilnahm: „Viele Kranke werden durch den hier verursachten Lärm Angstgefühlen ausgesetzt, die auch medizinisch kaum in den Griff zu bekommen sind."

 

Die ATH sagte Verbesserungen „im Rahmen des Möglichen" zu. Der pfeifende Lärm werde sich nicht mehr wiederholen. Man arbeite aber nicht nur am Hochofen, sondern auch an der Sinteranlage. Es seien mehrere Fachinstitute mit Untersuchungen beauftragt worden.

 

An dem Gespräch nahm auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Günter Schluckebier teil. Schluckebier, der sich jeder Stellungnahme enthielt, wollte sich in erster Linie über die derzeitigen Beschwerden in der Bevölkerung informieren.

 

Schon kurz nach seinem Anblasen vor etwa zwei Jahren machte der Hochofen VI auf unrühmliche Weise von sich reden. Genau wie bei dem Monstrum in Schwelgern handelte es sich auch damals um den größten Hochofen der westlichen Welt. Die ATH konnte innerhalb kurzer Zeit den Geräuschpegel dieses Hochofens drastisch senken. Auf die damalige Frage der NRZ, ob die Schwierigkeiten an diesem Hochofen nicht das Schlimmste für den Koloss von Schwelgern befürchten lassen, meinte die ATH am 12. August 1972: „Der neue Hochofen in Schwelgern wird keinen Lärm verursachen. Obwohl technisches Neuland betreten wird, ist er so angelegt, dass eine Belästigung der Anwohner so gut wie ausgeschlossen ist..."

 

Gestern meinten die ATH-Ingenieure auf Fragen der Presse, ob bei den künftigen Hochöfen nicht wieder die gleichen Probleme auftreten: „Nein, wir haben die Hochöfen im Griff, Belästigungen, wie wir sie in jüngster Zeit haben erleben müssen, sind ausgeschlossen, da wir auf lange Zeit hinaus keine Hochöfen mehr bauen werden, die technisches Neuland bedeuten."


27.07.1973 - Rheinische Post - Gustav Real

 

Eine Schweißnaht riss

ATH-Hochöfner über die Panne am Hochofen VI

Die Technik läuft der Technik davon

 

Eine geplatzte Schweißnaht war die Ursache der Lärmorgie, mit der der Hochofen VI der ATH-Ruhrort am Abend des 7. Juli die Stadtteile Ruhrort und Laar mit Rauschen und Zischen überschüttete. Der Lärmausbruch war am Donnerstagmorgen Gegenstand einer Besprechung zwischen den Hochofenchefs der ATH-Ruhrort, Ratsherren, Mitgliedern des Bürgerausschusses, interessierten Bürgern und der Presse im Besprechungszimmer der Ruhrorter Hochöfner. Auch Günter Schluckebier, Mitglied des Bundestages, nahm an der Besprechung teil.

 

Die Techniker des Hochofenwerks zeigten sich auskunftsbereit. Die Besprechung wurde aber naturgemäß schnell sehr „technisch". Oberingenieur Georg Schnegelsberg, Leiter der Reparaturabteilung und für die „Pannenhilfe" zuständig, erläuterte an einer eilig hingeworfenen Hochofenskizze das Malheur. Da sitzt 80 Meter über dem Erdboden ein Bolzen von einer Schweißnaht umgeben. Er saß da schon seit drei Monaten; alles war vielfach geprüft, geröntgt etc. Am Abend des 7. Juli riss die Schweißnaht, und unter einem Druck von 1,5 Atmosphären strömte das Gas aus. Das gab mörderischen Lärm. Oberingenieur Schnegelsberg: „Wir konnten nicht sofort eingreifen, ohne die Menschen am Hochofen zu gefährden. Wir haben den Überdruck im Hochofen bis auf 0,7 Atmosphären heruntergefahren. Erst dann konnten wir etwas machen."

 

Es gab natürlich eine große Untersuchung. Experten kamen. Man stellte fest, dass an der Stelle ein falscher Werkstoff verwandt worden war. Irgendetwas war verwechselt worden.

 

Aus den vielen Fragen, die von den Ratsherren Schwabenland, Stoephasius, Wieczorek, der Presse und den Bürgern gestellt wurden, schälte sich heraus, dass es sich dabei um eine Panne handelt, die nur bei einem bestimmten Hochofentyp, dem sogenannten „Gegendruck-Hochofen" möglich ist Dann stellte sich aber die Kalamität heraus. Es handelt sich bei den Gegendruck-Hochöfen eben um die modernen Groß-Hochöfen. Hochöfen von einer gewissen Größe an aufwärts können nur als „Gegendruck-Hochöfen" gebaut werden. Sonst klappt die Windzuführung in den Groß-Hochöfen nicht. Auch der „Schwarze Riese von Schwelgern" ist ein solcher Gegendruck-Hochofen. Auch der im Frühjahr bei Krupp-Rheinhausen angefahrene Hochofen ist ein Gegendruck-Hochofen. Was die Versammlung auf der ATH-Ruhrort noch nicht wusste, ist, dass auch über diesen neuen Hochofen in Rheinhausen am Mittwoch die ersten Beschwerden über Staub- und Lärmbelästigungen aus Wanheim gekommen sind. Der neue Mannesmann-Hochofen ist ebenfalls nach dem Gegendruck-Prinzip gebaut. Er wird aber noch nicht mit Gegendruck gefahren. Was sich ereignet, wenn auch dieser Hochofen mit Gegendruck gefahren wird, muss man abwarten.

 

Die Ruhrorter Techniker sprachen aus, was auch im Falle des „Riesen von Schwelgern" ausgesprochen worden ist. Die Techniker bewegen sich bei den modernen Groß-Hochöfen an vielen Stellen noch auf Neuland. Es wurde vor dem Bau sorgfältig abgetastet. Wenn der Ofen aber läuft, stellen sich die „Unebenheiten" in dem Neuland heraus. Man „lernt" noch. Oberingenieur Lobemeyer: „Wir haben den ersten Hochofen dieser Art in Westeuropa gebaut. Für den Ofen in Schwelgern hat man von uns gelernt. Wir lernen jetzt wieder von Schwelgern." Die eigentlichen Lehrmeister sind zurzeit die Japaner. Es gab und gibt auch bei der Industrie Studienreisen nach Japan, um von den Pionierarbeiten der Japaner beim Bau von Groß-Hochöfen zu lernen. Es gab aber einen Trost. In den nächsten zehn Jahren sollen im Ruhrorter Raum keine neuen Gegendruck-Hochöfen gebaut werden.

 

Die Ruhrorter ATH-Techniker packten auch ihre Sorgenkinder aus. Eines davon ist die Erzbrechanlage im Nordhafen. Sie verursacht in der näheren Umgebung schwere Vibrationen. Man ist dabei, die Sache durch Experten zu untersuchen. Außerdem soll die Verladebrücke verkleidet werden, um die Staubbelästigungen zu vermindern. In den Gießhallen der Ruhrorter Hochöfen sollen die Arbeitsbedingungen für die Hochöfner verbessert werden. Das kostet wahrscheinlich Millionen. Auch hier will man von den Japanern lernen.

 

Das größte Sorgenkind ist die Sinteranlage in Meiderich. „Wir wissen nicht, wann wir damit fertig sind", sagten die Techniker. Aber sie hoffen, dass sie die Dinge nach und nach meistern.


27.12.1973 - WAZ - Fal.

 

Chöre blieben frei von Sentimentalität

Bürgervereinigung Laar lud zum Konzert ein

 

Eine klingende Bürgerschaftsversammlung veranstaltete die Bürgervereinigung Laar zum vierten Male und Geschäftsführer Günter Rubbert durfte mit dem Ergebnis zufrieden sein.

 

Die schmucklose, aber strahlend helle Evangelische Kirche war überfüllt, als sieben Jungmannen des Ruhrorter Posaunenchors (Leitung: Wolfgang Nerlich) die musikalische Stunde einbliesen. Sie taten es sehr frisch und zügig, so, als wolle man bewusst keine sentimentale Weihnachtsstimmung aufkommen lassen. Das schien überhaupt das bestimmende Element des gelungenen Nachmittages zu sein.

 

Alle, die angetreten waren wie die Ruhrorter „Germania", der evangelische und der katholische Kirchenchor und der Laarer Kinderchor im schmucken, weißen Einheitspulli, machten einen herzerfrischenden Bogen um jede Sentimentalität. Und so klangen die alten Gesänge der Orlando, Praetorius, Bach und Händel durchweg schwungvoll.

 

Das war vorwiegend der sympathischen Chorleitung von Konrad Leuer zu danken, der allen Gruppen, mit Ausnahme der evangelischen (Leitung: Hans Kusch), ein klug disponierender Stimmführer war. Zum Schluss erklang - in ökumenischer Eintracht - unter dem leuchtenden Christbaum auf dem Altar Händels jubilierender Chor „Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn".


05.04.1974 - NRZ - Felix Funke

 

In Laar tut sich etwas

Bürgervereinigung kann auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken

 

Im Jugendheim der katholischen Gemeinde trafen sich die Mitglieder der Bürgervereinigung Laar zur planmäßigen Jahreshauptversammlung. Der Besuch war zufriedenstellend. Der besondere Gruß des 1. Vorsitzenden Theo Barkowski galt den Ratsherren Rudolf Passing und D. M. Stoephasius sowie dem Zoodirektor Dr. Gewalt. Der Verlauf und die Wahlen ließen nichts zu wünschen übrig. An der Spitze dieser Bürgervereinigung fungiert nun bereits im 16. Jahr der 1. Vorsitzende Theo Barkowski.

 

Wenn dieser eingangs erklärte, dass sich in Laar in der letzten Zeit „einiges getan" habe, so bestätigte sich das in dem von Günter Rubbert erstklassig verfassten Geschäftsbericht.

 

Mit Freude und Genugtuung konnte die Laarer Bürgervereinigung feststellen, dass alte Forderungen in diesem Jahr erfüllt wurden oder noch werden.

 

Der Marktplatz verspricht, ein bunter Tupfer in dem vom Grün so stiefmütterlich behandelten Stadtteil zu werden. Man hofft, dass die Anlage den Bürgern zur Erholung dient und nicht von unangenehmen Zeitgenossen umfunktioniert wird. Auch der Florapark hat sich in den letzten Jahren sehr zum Vorteil verändert. Die Bürgervereinigung bedauert es, dass immer wieder Übeltäter ihre Zerstörungswut an Gegenständen innerhalb der Erholungsstätte auslassen. Der Sprecher appellierte an erhöhte Einsatzbereitschaft der zuständigen Ordnungsbehörde und die Mithilfe der Anlieger. Gute Fortschritte haben die Arbeiten an den Deichaufgängen gemacht. Alle Treppen sind zur vollsten Zufriedenheit überholt und mit einem Geländer versehen.

 

Bald soll auch das Deichvorgelände so gestaltet werden, wie es zwischen dem Grünflächenamt, dem Stadtreinigungsamt und der Bürgervereinigung besprochen ist. Alle Bemühungen zielen dahin, den Wohn- und Freizeitwert von Laar zu steigern.

 

Fortgeschritten sind die Bauarbeiten auf der Friedrich-Ebert-Straße. Seitdem im Etat 1970 erstmalig Mittel zweckgebunden zur Beseitigung von Kopfsteinpflaster auf Duisburgs Straßen bereitgestellt waren, setzte sich die Laarer Bürgervereinigung im besonderen Maße für die Friedrich-Ebert-Straße ein.

 

Man hegt die Hoffnung, dass der Ausbau in der Gesamtlänge auf beiden Seiten vollzogen wird. Die Arbeiten machen sehr gute Fortschritte. Ein völlig neues Bild wird das Grundstück zwischen der Franklinstraße, Au- und Apostelstraße erhalten. Auf dem Gelände der ehemaligen Schule wird die Berufsfeuerwehr ihr neues Domizil erhalten. Auch hier hat man mit den Arbeiten begonnen.

 

Wie Geschäftsführer Rubbert weiter mitteilen konnte, hat sich das Verhältnis zwischen den Bürgervereinen und der Duisburger Industrie in der letzten Zeit stark verbessert. Der Sprecher erinnerte an den 2. August 1973, als die ATH zu einem Besuch des Hochofens 6 und des Kraftwerks Hermann Wenzel in Ruhrort eingeladen hatte. An Ort und Stelle konnten sich Vorstandsmitglieder und einige Bürger davon überzeugen, dass die ATH verstärkte Maßnahmen des Umweltschutzes getroffen hat und weiterhin treffen wird.

 

Aber auch das kulturelle und gesellige Leben in Laar ist nicht eingeschlafen. Im Rahmen der Duisburger Woche wandte sich die Bürgervereinigung in mehreren Veranstaltungen an die Bevölkerung. Die sogenannten Altennachmittage fanden wieder großen Anklang. Die KG Rot-Gold Laar lud zu einem Bürgerball im Karneval ein. Der Erfolg, den die Jecken in „Rot-Gold" verbuchten, ist besonders erwähnenswert.

 

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Konzerte im Laarer Florapark, an denen sich die Interessenten erfreuen konnten. Das erste diesjährige Konzert findet am 5. Mai statt.

 

Nach dem reibungslos verlaufenen Wahlgang setzt sich der Vorstand wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender Theo Barkowski, 2. Vorsitzender Anton Schmitz, Geschäftsführer Günter Rubbert, Kassenwart Fritz Berger, 2. Kassierer Willy Jenhöfer, Schriftführer Wilfried Gaudy, Beisitzer: Wilfried Elsen, D. M. Stoephasius, Hans Thielen, Franz Frings, Kurt Erping, Rudolf Passing, Kassenprüfer: Änne Burhans, Hans Keßler.

 

In einem Lichtbildervortrag demonstrierte Zoodirektor Dr. Gewalt in „Wort und Bild" die packenden Ereignisse des Fanges von weißen Walen in der kanadischen Hudson-Bay. Der Referent bot eine Reihe von eindrucksvollen Fotos. Aber auch die Erklärungen ließen eindeutig darauf schließen, dass es sich um einen Meister des Fachs handelt. Alle Anwesenden waren sehr angetan von dieser Studie aus dem Polargebiet. Der überaus starke Beifall war durchaus berechtigt.


05.04.1974 - Rheinische Post - ma.

Zoodirektor entführte Laarer in die weite Welt
Theo Barkowski erneut Vorsitzender der Bürgervereinigung

Laarer Probleme diskutierte bei Freibier die Bürgervereinigung im Jugendheim hinter der Kirche. Nach den Regularien gab Zoodirektor Dr. Gewalt, sozusagen als Auflockerung der Tagesordnung, anhand von Lichtbildern einen Überblick über seine weltweiten Reisen. Er sei sicher, so meinte Dr. Gewalt, dass er der einzige deutsche Zoodirektor sei, der einen weißen Wal aus dem Meer ans Land geritten habe. Lebhafter Beifall dankte Referent und Veranstalter für den Dia-Ausflug in die ferne Welt.

Thema des umfangreichen Geschäftsberichts von Günter Rubbert war auch die kommunale Neuordnung. Klagen aus der Versammlung wurden laut, als über den Zustand des Floragartens gesprochen wurde. „Vagabunden und lichtscheues Gesindel versauen uns diese Erholungsanlage", hieß es wörtlich. Die Polizei wurde aufgefordert, intensiver zu kontrollieren.

Theo Barkowski, alter und neuer Vorsitzender der Bürgervereinigung, legte das Programm für das laufende Geschäftsjahr vor. Außer Barkowski wurden Anton Schmitz, Günter Rubbert, Fritz Berger, Wilfried Gaudy, Willy Jenhöfer, Wilfried Elsen, D. M. Stoephasius, Hans Thielen, Franz Frings, Kurt Erping und Rudolf Passing in den Vorstand gewählt.


19.04.1974 - NRZ - Katharina Otzen

Laar kein Stiefkind mehr

Schon seit fünfzehn Jahren ist Theo Barkowski Vorsitzender des Laarer Bürgervereins, und in dieser Zeit hat sich in dem Stadtteil am Rhein einiges verändert. War Laar einst ein wenig „Stiefkind" der Stadt Duisburg, so ist in letzter Zeit, wie Barkowski berichtet, „wirklich viel getan worden". Er hoffe nur, dass die positive Entwicklung anhält, erklärte Barkowski im Gespräch mit der NRZ über die Sorgen des Laarer Bürgervereins.

Gegründet wurde der jetzt rund 300 Mitglieder zählende Verein als „Bürger- und Gesellschaftsverein" schon um die Jahrhundertwende, dann 1933 aufgelöst und nach dem zweiten Weltkrieg mit mehr kommunalpolitischem als gesellschaftlichem Engagement wieder ins Leben gerufen. Doch kommt auch die Kultur nicht zu kurz: Seit rund zehn Jahren organisiert der Bürgerverein regelmäßig Frühkonzerte im Florapark, und zwar mindestens fünf pro Jahr.

Das erste Konzert bestreiten diesmal, am 5. Mai, die Laarer Chöre selbst: Der MGV Germania, der MGV der KAB und der Kinderchor. Am 23. Juni geht's dann mit einer 60 Mann starken Blaskapelle aus Velbert weiter. Außer den sommerlichen Frühkonzerten organisiert der Verein auch noch jedes Jahr im Dezember ein Adventssingen - wechselweise in der evangelischen und der katholischen Kirche.

Sich um die älteren Laarer Bürger zu kümmern, ist für den Bürgerverein ebenfalls schon Tradition geworden: Seit vierzehn Jahren wird regelmäßig ein Altenkaffee für Laarer von 78 Jahren und darüber veranstaltet. Die Einladungen, die der Vorstand allen alten Menschen persönlich überbringt - und dabei von ihren Sorgen erfährt - gehen meist an 260 bis 280 Bürger. Und immerhin kommen auch rund die Hälfte der Eingeladenen. Doch trotz aller Bemühungen um die älteren Menschen sind sie es auch, die dem Bürgerverein Sorgen machen. Denn ab und zu ein Altenkaffee reicht nicht aus. Eine Altentagesstätte aber fehlt in Laar.

Ein wenig Hoffnung setzt Barkowski auf das alte Krankenhaus. Wenn es nach Fertigstellung des neuen Hauses nicht abgerissen wird, ergebe sich hier eine Chance für die langentbehrte Altentagesstätte, vielleicht noch ein Versammlungssaal, kurz, das Krankenhaus könnte zum Bürgerhaus werden. Auf dem freien Platz gegenüber, Ecke Au-, Apostel- und Franklinstraße wird das neue Gebäude für die Berufsfeuerwehr Ruhrort gebaut. Barkowski: „Vielleicht ließe sich hier eine integrierte Lösung finden." Möglichst noch ein Bolzplatz sollte in diesem Bereich geschaffen werden, wünscht sich der Bürgerverein. Denn bisher wird auf den Rasenflächen des Floraparks Fußball gespielt. Und das bekommt den Grünanlagen nicht sonderlich.

Sorgen macht dem Bürgerverein und anderen Laarer Organisationen auch die im Flächennutzungsplan ausgewiesene neue Umgehungsstraße. Nicht dass sie etwas gegen die Straße hätten. Nur die Trasse soll über den Deich führen. Und damit wären die Laarer von ihrem Freizeitraum am Rhein, der gerade erst ein neues „Make-up" bekommen hat, abgeschnitten. Außerdem weht in Laar zu 60 Prozent ein westlicher Wind. Der aber würde die Abgase der neuen Umgehungsstraße genau auf das Wohngebiet treiben. Besser wäre, so Barkowski, eine Umgehungsstraße an der östlichen Peripherie.

Ebenfalls Sorgen macht den Laarern das Ausländerproblem: In die freiwerdenden Altbauwohnungen rücken vor allem Gastarbeiter nach und verdrängen mehr und mehr die Einheimischen. Barkowski betont, dass die Laarer an sich nichts gegen Gastarbeiter haben und über konkrete Zusammenstöße sei auch nichts zu berichten. Nur die Furcht vor einem zu großen Ausländeranteil, der nicht mehr integriert werden kann, ist da.

Über die Asphaltierung der Friedrich-Ebert-Straße freuen sich die Laarer besonders. Sie hoffen nur, dass das Kopfsteinpflaster bald überall verschwindet. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Laar aus seinem Aschenbrödeldasein herausgekommen ist, sieht Barkowski im Ausbau des Markts. Wo früher eine „Steinwüste" war, ist heute ein Kinderspielplatz und dreimal wöchentlich bieten Händler daneben vom Blumenkohl über Bonbons bis zum neuen Kleid fast alles an.


19.04.1974 - NRZ Duisburg - Katharina Otzen

NRZ-Report: Sorgen der Bürgervereine

Sorgen macht dem Bürgerverein und anderen Laarer Organisationen auch die im Flächennutzungsplan ausgewiesene neue Umgehungsstraße. Nicht dass sie etwas gegen die Straße hätten. Nur die Trasse soll über den Deich führen. Und damit wären die Laarer von ihrem Freizeitraum am Rhein, der gerade erst ein neues „Make-up" bekommen hat, abgeschnitten. Außerdem weht in Laar zu 60 Prozent ein westlicher Wind. Der aber würde die Abgase der neuen Umgehungsstraße genau auf das Wohngebiet treiben. Besser wäre, so Barkowski, eine Umgehungsstraße an der östlichen Peripherie.

Ebenfalls Sorgen macht den Laarern das Ausländerproblem: In die freiwerdenden Altbauwohnungen rücken vor allem Gastarbeiter nach und verdrängen mehr und mehr die Einheimischen. Barkowski betont, dass die Laarer an sich nichts gegen Gastarbeiter haben und über konkrete Zusammenstöße sei auch nichts zu berichten. Nur die Furcht vor einem zu großen Ausländeranteil, der nicht mehr integriert werden kann, ist da.

Über die Asphaltierung der Friedrich-Ebert-Straße freuen sich die Laarer besonders. Sie hoffen nur, dass das Kopfsteinpflaster bald überall verschwindet. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Laar aus seinem Aschenbrödeldasein herausgekommen ist, sieht Barkowski im Ausbau des Markts. Wo früher eine „Steinwüste" war, ist heute ein Kinderspielplatz und dreimal wöchentlich bieten Händler daneben vom Blumenkohl über Bonbons bis zum neuen Kleid fast alles an.


30.06.1974 - WAZ - kajo

St. Joseph in Laar
Elektronischer Sucher lässt Schwestern im Hospital verstummen
Altes Gebäude abgerissen - Personalheim

Noch in diesem Jahr soll nach Auskunft der Geschäftsleitung des St.-Josephs-Hospitals in Laar das neue Krankenhaus am Rheindeich fertiggestellt sein. Das unter modernsten Gesichtspunkten errichtete Gebäude wird 280 Patienten Platz bieten. Das 30 Millionen-DM-Projekt, das siebengeschossig gebaut wird, soll die drei klassischen Disziplinen „Innere Abteilung, Chirurgie und Gynäkologie" beherbergen.

Als am 12. August 1971 der erste Spatenstich erfolgte, musste das Krankenhaus einen Teil der Anfinanzierung vornehmen. Nach Inkrafttreten des Krankenhausfinanzierungsgesetzes am 1. Januar 1972 wird der Bau nun gänzlich vom Staat finanziert. Träger ist die St.-Ewaldi-Gemeinde in Laar, die das Grundstück einbrachte.

Die einzelnen Abteilungen verfügen über die modernsten technischen Hilfsmittel. Einmalig - zumindest im westdeutschen Raum - ist die Medizinaldruckkammer, die für die Sauerstofftherapie zur Verfügung steht. Eine elektronische Suchanlage soll eine Verkürzung der Arbeitswege sowie eine schnellere Bedienung der Patienten garantieren.

Ursprünglich war der Bau für 300 bis 350 Betten vorgesehen. Im Rahmen der Zielplanung für das Stadtgebiet hielt man schließlich 280 für ausreichend. Ebenfalls noch im letzten Jahresdrittel wird das Personalwohnheim mit 79 Plätzen bezugsfertig sein. Ein-Zimmer-Appartements mit Bad und Dusche stehen in erster Linie den Pflegekräften zur Verfügung.

Das 1867 erbaute, im Krieg stark zerstörte jetzige Krankenhaus wird wahrscheinlich der Spitzhacke zum Opfer fallen. Noch sind die Würfel nicht gefallen. Was aus dem erst 14 Jahre alten Schwesternwohnheim wird ist ungewiss. „Der Festsaal", deutet Geschäftsführer Johannes Kurtz eine Verwendungsmöglichkeit an -„würde sich gewiss als Altentagesstätte eignen."


19.07.1974 - Rheinische Post - Hans Peter Schmidt

Beratungen vorerst abgeschlossen
Entscheidung über Bezirke bis 1975
Viele bürgerschaftliche Sprecher erwünscht

Nach sieben, teilweise langwährenden Sitzungen hat die fünfköpfige „Kleine Ratskommission Bezirkliche Gliederung“ ihre Beratungen vorerst abgeschlossen. Die dabei gewonnenen Formulierungen für Präambel, Satzung und Aufgabenkatalog kamen ohne  Schwierigkeiten zusammen. Auch die Bildung von sieben Bezirken in der neuen, rheinüberschreitenden Großstadt Duisburg fand keinen starken Widerstand.

So wird die Empfehlung der Kleinen Kommission in zwei Fällen Abänderungswünsche beinhalten. Das Papier wird jetzt von der Verwaltung gefertigt, soll nach Willen des Kommissionsvorsitzenden Helmut Wieczorek bald nach der Sommerpause mit Vertretern aus Neu-Duisburg beraten und später dem Kommissar als Grundlage für seine Entscheidungen über Bezirksgrenzen und -aufgaben zugeleitet werden.

Zur Kommunalwahl 1975 müssen die Entscheidungen für die Bezirke gefallen sein, da am 4. Mai nächsten Jahres zugleich mit den Wahlen zum Rat die zu den Bezirksvertretungen laufen. Die Kleine Kommission entschloss sich, alle künftigen Duisburger Bezirke mit der möglichen Höchstzahl von 19 Bezirksvertretern zu besetzen. Mindestens elf heißt die Forderung des Gesetzes, doch meinte die Kommission, möglichst viele bürgerschaftliche Sprecher sollten mitarbeiten, besonders mit Rücksicht auf die Teile des neuen Duisburg.

So wie hier Meinungsverschiedenheiten ausblieben, so auch beim Aufgabenkatalog für die Bezirksämter. Anders dagegen kam es bei den Grenzen in zwei Fällen. Die Mehrheit empfahl, ohne sich auf Namen festzulegen, unter den Arbeitstiteln A bis G folgende Zusammenfassungen: A: Walsum und Fahrn (57 200 Einwohner), B: Hamborn (90 000), C: Meiderich, Beeckerwerth, Beeck und Laar (106 000), D: Homberg, Baerl und Ruhrort (49 000), E: Stadtmitte mit Hochfeld bis zum Zoo (150 000), F: Rheinhausen und Rumeln (83 600) sowie schließlich G: Süd (81 500 Einwohner). Umstritten sind C und E.

Ein Gegenvorschlag der CDU für Laar lautet, man solle diesen Stadtteil nicht zum Bezirk Meiderich schlagen, sondern zum Hornberger. Ruhrort und Laar zu trennen, bedeute das Abschneiden Laars. Auch sei der Weg zum Homberger Rathaus zu Fuß angenehmer als der zur Verwaltungsstelle Meiderich an der Weißenburger Straße. Dem halten die Gegner dieses Vorschlags entgegen, dass bei einer Zuordnung von Laar oder gar noch Beeck und Beeckerwerth die Homberger von Alt-Duisburgern in ihrem Bezirk überfremdet würden. Das sei den Linksrheinischen nicht zuzumuten.

Im zweiten strittigen Bezirk glaubt die CDU, E, Stadtmitte, sei schon wegen der Einwohnerzahl zu groß und müsse deshalb geteilt werden. Aus Hochfeld kommt dazu die Anregung, man möge diesen Stadtteil dem Bezirk Süd zuordnen, weil dann an der Rheinfront die Industriebereiche von Huckingen bis Hochfeld in einem Bezirk lägen. Auch dieser Vorschlag fand aber bei den SPD-Vertretern in der Kleinen Kommission keine Gegenliebe.

Für die Bezirksämter gibt es schon einige klare Vorstellungen. Dabei sind jeweils wegen der umfangreichen Aufgaben in diesen neuen Behörden 250 bis 400 Mitarbeiter der Stadt unterzubringen. Klar sind für A: Rathaus Walsum, für B: Rathaus Hamborn, für D: Rathaus Homberg, für F: Rathaus Rheinhausen. Und für G: Verwaltungsstelle Sittardsberg.

Völlig offen ist die Frage in Meiderich, wo nach einem neuen Standort gesucht wird. Das Amt wäre an der Weißenburger Straße zu wenig zentral und räumlich unzureichend untergebracht. In Stadtmitte wird das Bezirksamt in mehreren benachbarten Gebäuden am unteren Sonnenwall Büros finden, unter anderem in einem eben begonnen privaten Neubau, in dem die Stadt mietet. Im Süden wird die Verwaltungsstelle Sittardsberg nicht ausreichen und muß erweitert oder durch Anmietung ergänzt werden.


10.08.1974 - WAZ

„Bezirkliche Gliederung"
Verband lehnt Vorlage als nicht bürgernah ab
Bürgervereine fassten jetzt Entschließung

Der erweiterte Beirat des Verbandes der Bürgervereine von Duisburg und Umgebung e. V. befasste sich jetzt mit der Vorlage der Kleinen Ratskommission zur Neuordnung des Stadtgebietes".

Der Verband fasste folgende Entschließung: Er lehnt die vorläufigen Ergebnisse der Beratung der „Kleinen Ratskommission Bezirkliche Gliederung" in mehreren Punkten ab, außerdem erkennt er die Vorlage als nicht bürgernah und an den Interessen der gewachsenen Stadtteile vorbeigeplant.

Abschließend stellte der Verband fest: „Die jetzige Vorlage ist keine bereits beschlossene Sache und die jetzt vorliegende Einteilung kann im Gegensatz zur Meinung maßgebende Politiker und Beamter nicht endgültig sein".


10.08.1974 - Rheinische Post

LESERBRIEF

Vorbeigeplant

Am 25. Juli befasste sich der erweiterte Beirat des Verbandes der Bürgervereine von Duisburg und Umgebung e. V. mit der Vorlage der „Kleinen Ratskommission zur Neuordnung des Stadtgebietes", so wie sie nach dem vorläufigen Abschluss der Beratungen bekannt geworden ist. Die Versammlung fasste folgende Entschließung:


(1) Der Verband der Bürgervereine lehnt die vorläufigen Ergebnisse der Beratung der „Kleinen Ratskommission Bezirkliche Gliederung" in mehreren Punkten ab. Der Verband der Bürgervereine erkennt die Vorlage als nicht bürgernah und an den Interessen der gewachsenen Stadtteile vorbeigeplant. Gründe zu dieser Einstellung werden der Verband und die in ihm zusammengeschlossenen Bürgervereine auf der Sitzung vortragen, zu der sie laut einstimmigen Ratsbeschluss vom 22. 7. 74 zum Zwecke der Anhörung über die Bezirkseinteilung für Neu-Duisburg mit der Kleinen Kommission geladen werden.

(2) Der Verband der Bürgervereine stellt fest, dass die jetzige Vorlage keine bereits beschlossene Sache ist und dass im Gegensatz zur Meinung maßgebender Politiker und Beamter die jetzt vorliegende Einteilung nicht endgültig sein kann.

Steinkamp, Vorsitzender
Rubbert, Geschäftsführer


13.08.1974 - WAZ

KURZ NOTIERT

Günter Rubbert, Geschäftsführer der Bürgervereinigung Duisburg-Laar, kritisierte die geplante bezirkliche Einteilung Duisburgs: „Dabei besteht die Gefahr, dass Ruhrort und Laar voneinander getrennt werden. Wir setzen uns für einen Bezirk Ruhrort/Laar/Beeck/Beeckerwerth mit Homberg und Baerl ein."


13.08.1974 - Rheinische Post

Laarer wehren sich gegen den Bezirk C
Ratskandidaten an ihrer Meinung messen

Einziger Tagesordnungspunkt der Vorstandssitzung der Bürgervereinigung Laar waren die Beratungen der „Kleinen Ratskommission Bezirkliche Gliederung". Im Verlauf der Sitzung wurde die Bildung der Stadtbezirke C/Meiderich-Beeck und D/Homberg-Ruhrort in der vorgeschlagenen Zusammensetzung abgelehnt. Der Vorstand der Bürgervereinigung Laar schlägt vielmehr vor, Laar, Beeckerwerth und Beeck statt dem Bezirk C dem Bezirk D zuzuordnen.

Der Vorstand der Bürgervereinigung Laar sieht sowohl in der Siedlungsstruktur als auch in der Bevölkerungsverteilung die Verbindung Ruhrorts zu Laar, Beeck und Beeckerwerth enger als in der Verbindung der drei Stadtteile zu Meiderich.

Erregt wurde besonders die Zusammengehörigkeit Ruhrorts und Laars diskutiert: Die Poststelle in Laar trage die Bezeichnung Ruhrort II. Beide Stadtteile seien postalisch unter Duisburg 13 zusammengefasst. Der Rheindamm zwischen Laar und Beeckerwerth und die Vogelwiese sei für Ruhrort, Laar und Beeckerwerth gleichermaßen Naherholungsgebiet. Der Männergesangverein Germania und der Verein für volkstümliche Bewegungsspiele trügen beide den Ortsnamen Ruhrort/Laar. Der VfvB Ruhrort/Laar unterhalte auf der Vogelwiese seinen Sportplatz. Er und der Ruhrorter Turnverein spielten Tennis auf der Bezirkssportanlage, die für den Bezirk IV gebaut wurde. Die Bürgervereinigung Laar war Initiator bei der Gründung einer Turnriege, die heute als Abteilung des VfvB Ruhrort/Laar den Übungsbetrieb in der Turnhalle an der Werthstraße abwickelt.

Während die einzige Verbindung Laars nach Meiderich die Laarer und die Mühlenfelder Straße ist, die in ihrer gesamten Länge durch Werksgelände der ATH führt, das Laar von Meiderich trennt, werden zwei Rheinbrücken, die Friedrich-Ebert-Brücke in Ruhrort und die Rheinbrücke im Zuge des Emscherschnellweges, die Verbindung der beiden Teile dieses rheinüberspannenden Bezirks sein.

Dieser von der Bürgervereinigung vorgeschlagene Bezirk wird auch mit seinen dann 81 000 Einwohnern gegenüber anderen Bezirken gewichtiger sein als mit seinen jetzt 49 000 Einwohnern. Die Parität wäre gewahrt bei 41 000 Linksrheinischen gegenüber 40 000 Rechtsrheinischen. Die Gefahr, dass Ruhrort im Bezirk D und Laar im Bezirk C isoliert wird, wäre ausgeschaltet.

Der Vorstand der Bürgervereinigung Laar glaubt, dass bei seinem Vorschlag, Ruhrort/Laar-Beeck-Beeckerwerth mit Homberg, Baerl zu einem neuen Bezirk zu vereinen, die Bürgernähe mehr gewahrt bleibe und den Interessen der betroffenen Stadtteile mehr gedient sei. Gleiche Meinungen wurden auch in diesen Stadtteilen laut.

Im Blick auf die Kommunalwahl im nächsten Jahr sieht der Vorstand der Bürgervereinigung Laar die nächsten Monate verstärkt als die Zeit des mündigen Bürgers an. Alle künftigen Ratskandidaten müssten sich darüber klar sein, dass sie auch an ihrer Einstellung zur Frage der bezirklichen Neugliederung Duisburgs gemessen würden. Der Vorstand der Bürgervereinigung Laar beschloss jedenfalls, hier meinungsbildend wirksam zu werden.


August 1974 - Rheinische Post - Hans Peter Schmidt

Vor allem die Grenzen sind umstritten
Öffentliche Anhörungen über Bezirke
Kleine Ratskommission lädt Gäste ein

Für den 10. September wird Duisburgs Stadtspitze die Partner aus den bisher noch selbständigen Teilen Neu-Duisburgs zum Gespräch über die bezirkliche Abgrenzung und über die Aufgaben der Bezirksämter bitten. Je zwei Vertreter der hinzukommenden Gemeinden sollen an diesem Tag mit den Ergebnissen der Kleinen Ratskommission „Bezirkliche Neugliederung" bekanntgemacht werden. Diese Ergebnisse sind inzwischen auf unterschiedlichste Kritik gestoßen. Dabei steht im Mittelpunkt der Auseinandersetzung weniger die Aufstellung der verschiedenen Aufgaben, welche die Bezirke übernehmen sollen, als vielmehr die vorgesehene Grenzziehung.

Die Diskussion reicht hinein bis in die Ortsvereine der SPD in Alt-Duisburg, deren Einzugsgebiete teilweise von den vorgeschlagenen Grenzen durchschnitten werden. Um die gesamte Aussprache in den Griff zu bekommen, hat sich die Kleine Kommission schon darauf eingestellt, die bezirkliche Neugliederung breit zu beraten. Damit entspricht sie zugleich einem Beschluss des Rates, der sich dahin aussprach, zur Bezirksverfassung seien auch die Bürgervereine zu hören. Das soll jetzt möglichst noch Ende September, spätestens aber Anfang Oktober geschehen, erklärt dazu der Vorsitzende der Kommission, SPD-Ratsherr Helmut Wieczorek.

Demnach folgen auf die Anhörung der Offiziellen aus Neu-Duisburg am 10. September wenige Wochen später öffentliche Beratungen in vielen Stadtteilen sowohl Alt- wie Neu-Duisburgs. Das Verfahren vergleicht Wieczorek mit den Anhörungen, die zum neuen Flächennutzungsplan üblich waren, und aus deren Vielzahl eine Reihe von Planungsvorschlägen auch in den neuen Plan einflossen.

Kern der jetzigen Diskussion ist vor allem der von der SPD-Mehrheit bevorzugte Plan eines Innenstadtbezirks mit rund 150 000 Einwohnern. Die CDU-Minderheit hatte wie berichtet sich für eine Teilung dieses Bezirks ausgesprochen. Zu dieser Einzelfrage meint Helmut Wieczorek: „Die SPD hat sich nicht endgültig festgelegt, sie hält diese Lösung aber für die beste. Sollten allerdings neue Argumente kommen, die stärker sind als die bisher vorgetragenen, sind wir sofort bereit, in diesem Punkt wieder bei Null zu beginnen."

Wieczorek konnte zum Zeitpunkt dieser Aussage die Argumente noch nicht kennen, die Heinrich Clouth zu dem Problem vorbringt. Clouth ist Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Moers, wird aber als Bürger Rumeln-Kaldenhausens Neu-Duisburger Bürger und gilt als künftiger Vorsitzender der CDU im vergrößerten Duisburg, der sich auch schon bereit erklärt hat, dieses Parteiamt zu übernehmen.

Clouth sieht in dem bisherigen Konzept der Bezirkseinteilung „jedoch einen gravierenden Fehler, der noch ausgeräumt werden muss" und fährt fort: Die vorgesehenen Stadtbezirke sind nämlich keineswegs untereinander ausgewogen und gleichgewichtig. So sollen die Bezirke Innenstadt 150.700, Rheinhausen 83 600 und Homberg / Ruhrort 49 000 Einwohner umfassen. Den Bezirksämtern sollen folgende Dienstkräfte zur Verfügung stehen: Innenstadt 390, Rheinhausen 219 und Homberg / Ruhrort 130. Wenn nach Banners Vorstellung die Besoldung der Amtsleiter bis B 2 reichen soll, dann käme B 2 für das Bezirksamt Innenstadt, A 15 (Verwaltungsdirektor) für Rheinhausen und A 14 (Oberverwaltungsrat) für Homberg / Ruhrort in Frage. Die Einstufung der Abteilungsleiter, Sachbearbeiter und Mitarbeiter in diesen Bezirksämtern hätte sich entsprechend auszurichten. Die Folge wäre, dass sich das Bezirksamt Stadtmitte um qualifiziertes und erfahrenes Personal kaum Sorgen, das Bezirksamt Homberg / Ruhrort aber große Sorgen machen müsste.

Clouth meint weiter, er würde es für gut halten, wenn die politisch Verantwortlichen der neuen Großstadt sich möglichst auf ein gemeinsames Konzept einigen könnten. Es wäre bedauerlich, wenn der Start in Duisburg mit Einsprüchen gegen die Entscheidung der Beauftragten beginnen müsste. Die von der CDU in Duisburg und den einzugliedernden Städten und Gemeinden gemeinsam vorgeschlagene Einrichtung von acht Stadtbezirken sei ausgewogen.

Geäußert zu dem Fragenkomplex hat sich auch der ehemalige Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Homberg, Wilhelm Otto. Er spricht sich dafür aus, Homberg allein mit den geringen Zuwächsen von Baerl und Sinsheim einen Bezirk bilden zu lassen. Ruhrort dagegen solle zum Bezirk Meiderich gehören. Damit wäre allerdings die Ungleichgewichtigkeit in den Bezirken noch stärker, da der ohnehin bevölkerungsschwächste Bezirk Homberg mit 49 000 Einwohnern noch einmal beschnitten würde.


August 1974 - WAZ

LESERBRIEFE

Keine Überfremdung


Auch diese Lösung brächte den Altduisburgern zahlenmäßig nur einen Anteil von 30% gegenüber den 70% Neuduisburgern. Vollkommen unverständlich ist mir dagegen die Argumentation, dass durch eine Einbeziehung von Laar „die Hornberger von Altduisburgern überfremdet würden". Wer so argumentiert, muss sich gefallen lassen, dass man die Argumentation aufnimmt und beweist, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Offenbar ist Herr Wieczorek bereit, rd. 7700 Ruhrorter (= 15%) in Homberg aufgehen zu lassen. Ich wage die Prognose, dass dadurch auf lange Sicht Ruhrort als selbständiger Stadtteil zu einem unbedeutenden Anhängsel von Homberg werden wird.

Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen sich die Stadtbezirke den besonderen Kriterien der Siedlungsstruktur, Bevölkerungsverteilung und Stadtentwicklung anpassen. Dies wird im Bereich von Ruhrort und Laar aus mir unerklärlichen Motiven, die ich nur vermuten (!) kann, missachtet. Eine engere Verbindung als zwischen Ruhrort und Laar kenne ich wegen der ansonsten isolierten Lage beider Stadtteile in ganz Duisburg nicht.


Auch die Bundespost hat daraus die Konsequenzen gezogen, beide Stadtteile gemeinsam postalisch zu betreuen (Duisburg 13). Die Kommunikation zwischen den Menschen beider Stadtteile ist entsprechend orientiert. Und nur in der Besinnung auf die Gemeinsamkeit konnte der theoretische „Streit" begraben werden, dass das Ruhrorter Stadtbad ja in Laar steht.

Wenn die von Herrn Wieczorek geplante Entwicklung an der Bezirkseinteilung orientiert sein soll, dann sieht es schlecht aus mit der Entwicklung von Ruhrort als Anhängsel von Homberg und mit Laar als Anhängsel von Meiderich.

Dirck-Michael Stoephasius CDU-Ratsherr, Ruhrort


Kein „Aus" für Laar
Ihre beiden Artikel zur Arbeit der „Kleinen Ratskommission Bezirkliche Gliederung" fand ich sehr interessant und aufschlussreich. Über eins aber sollte sich jeder Bürger im klaren sein, dass die Beschlüsse der Ratskommission zwar nur ein Arbeitspapier für den späteren Kommissar sein soll, dass dieser aber die Beschlüsse nicht mehr grundlegend abändern wird. Das heißt, dass die neuen Bezirksgrenzen jetzt schon gezogen sind. Dieses würde meiner Meinung nach das endgültige Aus für den Ortsteil Laar bedeuten, der dann in einigen Jahren das Schicksal Alsums teilen wird.

Die Aussage von Herrn Wieczorek (SPD), dass der Bezirk Homberg durch die Zuordnung von Ruhrort, Laar, evtl. Beeckerwerth durch Alt-Duisburger überfremdet würde, kann ich mit anderen Argumenten widerlegen. Der Bezirk Homberg kann in Groß-Duisburg doch nur Gewicht haben, wenn er eine dementsprechende Einwohnerzahl hat. Dieses ist auch die Meinung einiger Hornberger, wie ich in privaten Gesprächen feststellen konnte.


Nun zur Situation von Laar. Ruhrort und Laar sind eine über einen längeren Zeitraum gewachsene Einheit. Das kann man an verschiedenen gemeinsamen Einrichtungen dokumentieren z. B. Badeanstalt, Sportplätze und Vereine, Postbezirk, Naherholungsgebiete u. a. mehr.

Dieses alles ist über Jahrzehnte gewachsen und sollte nicht den Parteiinteressen der SPD geopfert werden.

Theo Terlinden Pressesprecher des CDU-Ortsverbandes Ruhrort/Laar


16.11.1974 - Rheinische Post - Srs.-

Mitsprache abgelehnt
Für Bürger im Ausschuss bei Information über die Bezirke

Zuerst schlugen die Diskussionswellen hoch, dann verliefen sie sich im Formelgestrüpp und am Ende kam nichts dabei heraus. Das war gestern nachmittag die Situation bei einer Sitzung des Bürgerausschusses IV (für Ruhrort, Laar, Beeck und Beeckerwerth), wo es um die Information über die bezirkliche Neugliederung ging. 33 Bürger als Zuhörer im Sitzungssaal 300 des Rathauses gingen empört heim, weil ihnen von SPD-Seite das Mitspracherecht verweigert worden war. Es fielen harte Worte, vom „geknebelten mündigen Bürger" und es kam auch die Drohung: „Vielleicht werden das die mündigen Bürger einmal quittieren."

Unter beifälligem Gemurmel der Zuhörer brachten die CDU-Vertreter Pannenbecker und Stoephasius das Thema „des ganzen Bezirks IV zum neuen Stadtbezirk Homberg" zur Sprache. Doch zunächst liefen sie ins Leere, da ihnen von dem Verwaltungsvertreter Splitt die Frage nicht beantwortet werden konnte, weshalb es zur Bezirkseinteilung Ruhrort-Homberg gekommen sei. Dr. Antwerpes, der Leiter des Planungsamtes, der ursprünglich referieren sollte, aber noch im Landtag war, konnte erst gegen 18 Uhr geholt werden.

Dr. Antwerpes erklärte zunächst, dass historische, landsmannschaftliche und konfessionelle Gründe bei der Bezirkseinteilung im Hintergrund zu stehen hätten. Die Einteilung Ruhrort-Homberg sei durchaus schlüssig und man könne die Diskussion nicht über den Rhein hin und her schieben. Komplette Lösungen gebe es nicht. Die jetzige Einteilung sei aber nicht auf unendliche Zeiten fixiert. Im Bereich Laar-Beeckerwerth seien durchaus Alternativen denkbar, doch festlegen wollte er sich nicht.

Bereits vorher hatte Pannenbecker den Antrag gestellt, die zuhörenden Bürger als geladen zu betrachten, um ihre Meinung zu hören. Das wurde vom SPD-Vertreter Ziethoff abgelehnt, weil ein öffentliches Hearing nicht vorgesehen sei und es außerdem unfair wäre, ohne Vertreter aus dem Bezirk Meiderich zu verhandeln. Der CDU-Antrag wurde mit neun zu acht Stimmen ebenso abgelehnt wie am Schluss der Antrag, zu empfehlen, den gesamten Bezirk IV zu Homberg als gemeinsamen Stadtbezirk zu schlagen. In der Diskussion der Ruhrorter Ausschuss-Mitglieder tauchte immer wieder die Angst auf, von den Hombergern im Bezirksausschuss untergebuttert zu werden, Mitglied Steinkamp sprach vom Wurmfortsatz und meinte zur Trennung von Laar, Beeck und Beeckerwerth: „Gewachsene Dinge zu ändern, ist nicht bürgernah."

KOMMENTAR
Falscher Weg

Die SPD-Vertreter im Bürgerausschuss IV machten gestern eine schlechte Figur. Sie beteiligten sich zunächst überhaupt nicht an der Diskussion, sondern überließen das Fragen der CDU. Geschlossen lehnten sie dann das Mitspracherecht der zuhörenden Bürger ab. Das ist der falsche Weg zu mehr Demokratie. Was hätte es der SPD schon verschlagen, die Bürgerargumente anzuhören. Die Entscheidung über die Einteilung der künftigen Stadtbezirke fällt letzten Endes doch im Wahlausschuss, und da der Ausschuss im Verhältnis der letzten Wahlergebnisse - also entsprechend der jetzigen Ratsmehrheit — besetzt wird, hätte ihnen das gleich sein können. So aber hinterließ dieses Verhalten einen schlechten Nachgeschmack. Das steht im krassen Widerspruch zur vielgepriesenen Bürgernähe. Haften blieb aber auch, daß die CDU-Vertreter es unterließen, Dr. Antwerpes eine klare Stellungnahme zu entlocken. Sie gaben sich mit seinen geschickt formulierten Antworten zufrieden. Wenn schon provokativ gebohrt wird, dann bitte auch gründlich.

Helmut Sarnes


27.11.1974 - WAZ

LESERBRIEF

Missachtung


„Bei der bevorstehenden Gebietsreform von Groß-Duisburg soll lt. Dr. Antwerpes, Städteplaner unserer Stadt und MdL (SPD), Ruhrort zu Homberg kommen, die Gemeinden Laar, Beeck und Beeckerwerth jedoch zu Meiderich. Der überwiegend größte Teil der Bürger dieser Gemeinden, und nicht zuletzt die hier geborenen, ist mit dieser Lösung nicht einverstanden. Alleine schon die Tatsache, dass man Laar von Ruhrort trennen will, ist ein Witz, der an die Schildbürger von Schilda erinnert. Der Stadtteil Ruhrort-Laar ist eine Einheit, die seit der Jahrhundertwende organisch zusammengewachsen ist. Zahlreiche Vereine, und nicht nur Sportvereine, geben ein beredtes Zeugnis darüber. Wenn sich nun die zuständigen Behörden sowie die Ratsmehrheit über diesen Willen der Bevölkerungsmehrheit hinwegsetzen will, so kann das nur die Schlussfolgerung zulassen, dass hier nicht das Wohl der Bevölkerung an 1. Stelle steht, sondern ausschließlich parteipolitische Punkte.

Als parteiungebundener gebürtiger Laarer kann ich mich mit dieser Einstellung der verantwortlichen Instanzen nicht einverstanden erklären. Wir wollen nicht die Zeche derer bezahlen, die als zugewanderte Duisburger unsere Heimatgefühle ignorieren und sich einen Teufel um unser organisch gewachsenes Gesellschaftsleben scheren. Sie erwecken dadurch Gefühle in uns, die wir sonst als loyale Duisburger Bürger gar nicht kennen, die aber bestimmt eine Vielzahl im Hinblick auf die bevorstehende Wahl 1975 zum Nachdenken veranlassen.

Das Mindeste ist: Ruhrort-Laar bleibt zusammen. Für das Wohl unserer einheimischen Bevölkerung; Ruhrort — Laar —  Beeck — Beeckerwerth, zusammen mit Groß-Homberg 1 Verwaltungsbezirk. — Dass die Beecker Bevölkerung bisher mangelhaft unterrichtet wurde, führe ich auf die Tatsache zurück, dass der Vorsitzende des Beecker Bürger- u. Heimatvereins zugleich Ratsherr der Stadt Duisburg ist und zu denjenigen gehört, die Laar von Ruhrort trennen und zusammen mit Beeck und Beeckerwerth zu Meiderich schlagen wollen."

Adelbert Holl Duisburg


05.12.1974 - Rheinische Post

UNSERE LESER SCHREIBEN
Fair Play in Laar


Während der Sitzung des Bürgerausschusses IV im Rathaus stellte das Mitglied Fischdick die Frage, mit welchem Recht der Vorstand der Bürgervereinigung Laar, deren Mitglied er sei, beim Hearing vor der Kleinen Ratskommission im Namen der Mitglieder die von der Verwaltung präsentierte Bezirkseinteilung, wonach Laar zu Meiderich geordnet wird, ablehnen und eine Zuordnung nach Homberg/Ruhrort fordern könne. Eine Antwort konnten die Angesprochenen, die als interessierte Bürger dem Gang dieser Bürgerausschusssitzung beiwohnten, nicht geben, da dem Antrage des Ausschussmitgliedes Pannenbecker, auch Bürger zu Worte kommen zu lassen, ein geschlossenes „Nein" der SPD-Fraktion folgte.

Trotzdem sollte der Vorwurf nicht unbeantwortet bleiben. Wenn Herr Fischdick danach noch den anwesenden Vorstandsmitgliedern der Bürgervereinigung Laar nachsagte, dass sie die Mitglieder nicht gefragt hätten, sie folglich auch nicht legitimiert seien, so sei ihm in Erinnerung gerufen:

Am 17. 7. 74 wurde dem Geschäftsführer der Bürgervereinigung Laar die Teilnahme an einer Mitgliederversammlung der SPD-Ortspartei verwehrt. Der Beschluss wurde während eines Vortrages des Herrn Beigeordneten Giersch gefasst, der sich u. a. mit der Neuordnung befassen sollte. Der Ausgeschlossene entschuldigte seine Anwesenheit mit dem Hinweis, dass er mit einer öffentlichen Versammlung des Ortsvereins gerechnet habe. Er verwies bei seinem Abgang ausdrücklich auf eine Sitzung der Bürgervereinigung Laar am 24. 7. 74 in der Gaststätte Kruger, auf der der Vorstand mit interessierten Bürgern das gleiche Thema, die bezirkliche Neugliederung, diskutieren wolle. Er lud alle Anwesenden, auch Herr Fischdick war anwesend, die Versammlung bestand aus 14 Teilnehmern, ein, an der Zusammenkunft teilzunehmen und betonte, dass dort niemand des Lokals verwiesen werde.

Die Versammlung fand statt, Einladungen waren von Mund zu Mund erfolgt. Von den Teilnehmern der SPD-Mitgliederversammlung erschien der Ortsvorsitzende Enkisch. Das Mitglied der Kleinen Ratskommission, Ratsherr Widera, erläuterte den Plan der bezirklichen Neugliederung, der anschließend diskutiert wurde. Aus dem Protokoll dieser Sitzung zitieren wir: „Der Vorschlag, diese Stellungnahme des Laarer Bürgervereins (nämlich Ablehnung der Zuordnung Laars zu Meiderich, dafür Zusammenlegung des ganzen Bezirks IV mit Homberg/Baerl) zu publizieren, sie dem Rat, den Parteien und der Verwaltung zu unterbreiten, sie aber auch der Kleinen Ratskommission zukommen zu lassen, fand keine Gegenstimmen. Er wurde so zum Beschluss der Sitzung."

So glaubt der Vorstand der Bürgervereinigung Laar, dem Vorwurf des Herrn Fischdick entgegen getreten zu sein, die Mitglieder seien nicht befragt worden. Nicht nur die Mitglieder, die Bürger Laars waren zu der Sitzung am 24. 7. eingeladen.

Bürgervereinigung Laar
Barkowski, Vorsitzender
Rubbert, Geschäftsführer


17.01.1975 - Rheinische Post

Leserbrief

Völlige Unwissenheit


1904 war Ruhrort noch eine selbständige Kreisstadt, eine der reichsten Städte im damaligen Preußen, bekannt am ganzen Rhein, zu der Zeit noch die Stadt mit dem größten Binnenhafen der Welt. 1904 wurden Beeckerwerth, Beeck und Laar Ruhrort eingemeindet, nicht so von oben herab über den Kopf der Bevölkerung wie heute, nein freiwillig, mit voller Einwilligung der verschiedenen Orte, bestand doch von jeher ein sehr gutes Verhältnis zwischen ihnen und unserer Schifferstadt. Diese war für sie „die Stadt", die City, in der sie ihre Einkäufe zu tätigen pflegten, ihren Geschäften nachgingen und bisweilen auch ihren Vergnügungen; denn an gemütlichen Lokalen war in Ruhrort kein Mangel.

Besonders miteinander verwachsen waren und sind noch Ruhrort und Laar. Im Anfang unseres Jahrhunderts war letzteres beliebter Ausflugsort für unsere Bürger, spazierten sie doch an schönen Sommertagen mit Kind und Kegel zur Florawirtschaft oder zum „Luftball", um sich dort an Kaffee und Kuchen zu erfreuen oder auch nach Haus Knipp, um dort Milch zu trinken. Naturfreunde zog es nach dem noch ländlichen Beeckerwerth, wo Lerchen vom blauen Himmel tirillierten, wo man Veilchen pflücken konnte oder Maikäfer und Schmetterlinge erhaschte.

Wenn der VfvB Ruhrort in der Ära Berchem, Gerling, Rixfähren in den Rheinwiesen am Luftball seine „internationalen" Fußballspiele aufführte, strömten viele Ruhrorter nach Laar. Die Ruhrorter Badeanstalt liegt in Laar. Laarer sind Mitglieder von Ruhrorter Vereinen. Der heutige VfvB Ruhrort Laar hat seinen Spielplatz auf der Vogelwiese in Beeckerwerth. In diesem Verein sind Laarer und Ruhrorter vereint.

Rechnet man dazu, dass heutigen Tags beide Orte ein gemeinsames Polizeirevier und eine gemeinsame Postleitzahl haben, dann kann man nur kopfschüttelnd dastehen vor so viel Verständnislosigkeit und völliger Unwissenheit der infrage kommenden Behörden, die bei der bezirklichen Neugliederung Duisburger Orte, die soviel gemeinsames haben, gewissermaßen ineinander verwachsen sind, in roher Weise auseinander reißen. Ihnen gelten ja nicht so sehr das Wohl und Wehe der Bevölkerung, sondern vielmehr kommunalpolitische und parteiliche Vorteile.

Franz Baumann
Duisburg-Ruhrort


18.01.1975 - NRZ - hütt

Entscheidung über Bezirkseinteilung am Montag
SPD legt Argumente in 1550 Briefen dar

In letzter Minute, sozusagen fünf vor zwölf, melden die Duisburger Bürgervereine vor der über die neuen Bezirksgrenzen entscheidenden Wahlausschusssitzung am Montag ihre Bedenken an. 1550 Unterschriften hat die Bürgervereinigung Laar gesammelt. Man will nicht zu Meiderich, sondern gemeinsam mit Ruhrort, Beeck, Beeckerwerth, Homberg und Baerl einen Bezirk bilden.

Umgehend hat die SPD auf diesen Ausdruck des Bürgerwillens reagiert. Wie Helmut Wieczorek, Mitglied des Wahlausschusses, mitteilte, will er jeden einzelnen der Laarer, die unterschrieben haben, persönlich anschreiben. „1550 Briefe, das ist noch nie dagewesen", meint Wieczorek. Man werde die Argumente, die für die von der SPD unterstützte Bezirkseinteilung gesprochen hätten, noch einmal darlegen und versuchen, die Polemik auszuschalten.

Nach Helmut Wieczoreks Meinung sehen die Laarer das Problem aus der Sicht des alten Stadtgebiets, nicht aber aus der der neuen Stadt.

Im Vordergrund der SPD-Entscheidung stünden die Ziele der Stadtentwicklung, in der die Stadtteile Laar, Beeck, Beeckerwerth und Bruckhausen als Siedlungsschwerpunkt ausgewiesen seien. Dieses Gebiet dürfe nicht zersiedelt werden, man dürfe jetzt keine Beschlüsse fassen, die man später bedaure. Wieczorek: „Es ist einfach eine Frage der Glaubwürdigkeit, ob man den Zielen der Stadtentwicklung zustimmt."

So eine Art von kleinem Kompromiss hat die SPD trotzdem parat: Wieczorek erklärte, man wolle nach Möglichkeit in Laar oder Beeck eine Außenstelle der in Meiderich beheimateten Bezirksverwaltungsstelle als Anlaufstelle speziell für ältere Bürger schaffen.

Da die SPD bei ihrer Meinung bleibt, dürfte der Beschluss über die Einteilung des Stadtgebiets in sieben Bezirke klar sein. Die CDU, die mit vier Stimmen den sechs SPD-Stimmen unterlegen ist, wird am Montag ebenfalls ihren bekannten Standpunkt vertreten: acht Bezirke (vom großen Innenstadt-Bezirk sollen Hochfeld und Wanheimerort abgetrennt werden) und Ruhrort, Laar, Beeck und Beeckerwerth zu Homberg.


18.01.1975 - Rheinische Post - Srs.

Zum letzten Gefecht
Bürgervereine erinnern nochmals an die Bezirkseinteilung

Die Bürgervereine von Laar und Ruhrort sind zum letzten Gefecht angetreten, bevor der Wahlausschuss am kommenden Montag über die Einteilung der Bezirksgrenzen entscheidet. In Schreiben an den Rats- und Verwaltungskommissar sowie an die früheren Ratsherren Krings und Wieczorek appelliert die Bürgervereinigung Laar nochmals, dem neuen Stadtbezirk Ruhrort/Homberg auch die Stadtteile Laar, Beeck und Beeckerwerth mit Baerl zuzuschlagen. Sie verweist auf 1500 abgegebene Unterschriften.

In dieser Woche ließ der Ruhrorter Bürgerverein einen Sonderdruck zum selben Thema verbreiten. Darin abgedruckt ist auch ein Brief an Innenminister Weyer. Wie inzwischen bekannt wurde, hat Weyer diesen Brief dem Regierungspräsidenten zur Prüfung übersandt. Die Laarer und Ruhrorter beziehen sich besonders auf den Paragraphen 13,2, wo auf die enge Siedlungsstruktur hingewiesen wird, die bei der Bildung von Bezirken u. a. zu berücksichtigen sei und auf die örtliche Gemeinschaft.

In Laar heißt es: „Wahltaktische Gründe können hierbei keine Rolle spielen." Bekanntlich hat sich die SPD schon für die jetzt bekannte Einteilung ausgesprochen, während die CDU die Auffassung der beiden Bürgervereine teilt. Die Laarer verweisen auch darauf, dass mit der zweiten Rheinbrücke des Emscher-Schnellweges der Bezirk Ruhrort/Homberg/Baerl/Laar/Beeck/Beeckerwerth dann einen geschlossenen Komplex bilden würde. Die befürchtete Überfremdung von Homberg durch Duisburg bei einer Vergrößerung sei absurd, da in Homberg bereits viele Duisburger wohnten und von der Einwohnerzahl her wäre man mit 41 000 zu 40 000 fast gleichstark.


21.01.1975 - Rheinische Post

Es bleibt bei den sieben Stadtbezirken
Wahlausschuss fällte gegen CDU-Stimmen endgültige Einteilung

Es bleibt bei der geplanten Einteilung des Stadtgebietes in sieben Stadtbezirke. So entschied gestern nachmittag der Wahlausschuss bei seiner ersten Sitzung. Die SPD stimmte dafür mit sechs Stimmen, die CDU mit vier Vertretern war dagegen. Bei vier Enthaltungen der CDU wurde von der SPD auch die Einteilung in 42 Wahlbezirke gebilligt.

Eingangs der Sitzung hatte Verwaltungskommissar Dr. Caumanns als Vorsitzender des Wahlausschusses die Mitglieder per Handschlag zur „unparteiischen Wahrnehmung verpflichtet".

Die Einteilung der Stadtbezirke war, wie schon mehrmals berichtet, bei der CDU aufgrund von Protesten aus Kreisen der Bevölkerung auf Kritik gestoßen. Bevor es zur Debatte kam, berichtete Dr. Caumanns, dass die Ruhrorter Schwimmhalle nicht in den Bezirk Meiderich, sondern zu Ruhrort/Homberg kommen solle, ebenso die südliche Abfahrt Rheinhausen der Autobahn zu Homberg.

Für die SPD erklärte gestern deren Sprecher, Wieczorek, man habe sich der durchaus „berechtigten Angriffe ausgesetzt", die Entscheidung sei dennoch aus rein sachlichen Motiven geschehen. „Bei allem Verständnis gilt es, die neue Stadt zu bauen, wobei Schwierigkeiten im alten Stadtgebiet nicht zu vermeiden sind."

Für die CDU fragte Max Pannenbecker, warum die SPD dann nicht den berechtigten Ansprüchen Rechnung getragen und Beeck, Beeckerwerth und Laar zum Bezirk Ruhrort/Homberg geschlagen habe. Die jetzige Einteilung sei gegen den Sinn des Gesetzes. Er prophezeite Schwierigkeiten beim Zusammenwachsen der genannten Ortsteile, die nunmehr zu Meiderich gehören und erinnerte daran, dass sich alle im alten Jahr einig gewesen waren, keine neuen Wunden schlagen zu wollen. Er stellte dann den formellen Antrag, das Stadtgebiet in acht Bezirke einzuteilen, wobei Hochfeld und Wanheimerort aus dem großen Innenstadtbezirk herausgenommen werden sollen.

Die Bezirke und ihre Einwohnerzahlen: A Walsum und Fahrn ohne Röttgersbach 56 382, B Alt-Hamborn, Marxloh, Obermarxloh, Röttgersbach und Schmidthorst-Neumühl 88 400, C Meiderich, Bruckhausen, Beeck, Beeckerwerth und Laar 101 141, D Homberg, Ruhrort und Baerl 47 731, E Neuenkamp, Kaßlerfeld, Altstadt, Dellviertel, Hochfeld, Wanheimerort, Duissern und Neudorf 143 389, F Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen 82 977, G Wedau, Bissingheim, Wanheim-Angerhausen, Buchholz, Huckingen, Großenbaum, Hüttenheim, Ehingen, Mündelheim, Ungelsheim, Serm und Rahm 82 295.

Einstimmig entschied sich der Ausschuss für 19 Mitglieder in den Bezirksvertretungen. Das ist die Höchstzahl, die vom Gesetz her zulässig ist. ...


03.05.1975 - Rheinische Post - ter

Noch einmal Bezirke
Bürgervereinigung Laar hielt Rückschau - Vorstand wiedergewählt

Aktuelle Themen sowie ein Dia-Vortrag „Laar — wie es wurde und ist" bildeten den Rahmen zur Jahreshauptversammlung der Bürgervereinigung Laar. Beinahe wie erwartet nahm die Bezirkseinteilung einen breiten Raum in der Diskussion ein. Im Geschäftsbericht des Vorstandes wurden noch einmal die Bemühungen des Bürgervereins aufgezeigt, die Anbindung an Ruhrort beizubehalten. Worte wie „Wir wollen zu Ruhrort, aber nicht durch den polnischen Korridor nach Meiderich" waren keine Seltenheit.

Der Bürgerverein machte auch etliche Vorschläge zur Neugestaltung des Laarer Make up's. Der Vorschlag, bei der Ruhrorter Badeanstalt, die sich auf Laarer Gebiet befindet, anzufangen, stieß wegen der Ironie der Bezirksgrenzen allerdings bei der Stadt auf wenig Gegenliebe. Zudem führte die Bürgervereinigung Laar im vergangenen Jahr sechs Konzerte, die allesamt sehr gut besucht waren, durch.

Aufgrund des umfangreichen Tätigkeitsberichtes wurde dem Vorstand einstimmige Entlastung erteilt. Vorsitzender Theo Barkowski wurde ohne Gegenstimme in seinem Amt bestätigt Neu in den Beirat wurden Adalbert Holl und die Ratskandidatin Annemarie Schildt (CDU) gewählt. Neben Annemarie Schildt war noch Ratskandidat Franz Widera (FDP) anwesend, während das Fehlen des SPD-Kandidaten Enkisch bedauert wurde. Auch künftig will man sich trotz der negativen Bezirkseinteilung aktiv und intensiv um die Belange der Laarer Bürgerschaft kümmern.

Beschwerde wurde über einen Missstand am Laarer Markt geübt. Wagen und Geräte der Kaufleute würden dort abgestellt sein und zu Behinderungen führen. Frau Schildt teilte mit, dass sie sich auf Grund eines Anrufes dieser Sache bereits angenommen habe. Das Ordnungsamt teilte ihr mit, dass man sich um geeignete Einstellplätze für Wagen und Geräte baldigst bemühen will.

Auf großes Interesse der Versammlungsbesucher stieß anschließend das Referat des Realschullehrers Herbert Haase über die Laarer Gechichte.


12.04.1975 - WAZ

Stelzenbahn wird abgerissen

Die „Stelzenbahn" in Laar, eine Werksbahn der ATH, soll in absehbarer Zeil abgerissen werden. Dies teilten Ratskandidaten der SPD mit. Auf dieser Fläche, an die sich das Gelände des alten Laarer Krankenhauses anschließt, soll Wohnbebauung entstehen. Die „Stelzenbahn" schneidet den Stadtteil Laar heute noch in zwei Teile.


22.04.1975 - Rheinische Post

Für Freizeit und Wohnen
Laar soll attraktiver werden / Voraussetzungen schon vorhanden

Der Stadtteil Laar soll attraktiver werden. Dazu hat der SPD-Ortsverein ein Planungskonzept entworfen, das die Förderung des geschlossenen Stadtbildes unter besonderer Berücksichtigung der vorhandenen Grünflächen vorsieht. Laar verfügt über eine Reihe von Grünanlagen und ist im Kernbereich vom Verkehr nur gering belästigt. Andererseits ist eine Anbindung an die City und den Kern des neuen Bezirks gegeben.

Voraussetzung für die Durchsetzung dieses Konzeptes ist die Lösung von Grundstücksfragen. Hier gibt es bereits Verhandlungserfolge. Die städtischen Bemühungen stehen zum Teil schon vor dem Abschluss.

Nach Meinung der SPD gewinnt das Freizeitangebot an den Schnittpunkten zu Beeck und Beeckerwerth vor allem im Hinblick auf die Bezirkseinteilung besondere Bedeutung. Eine beinahe ideale Kombination von Wohngebiet und Naherholung sei möglich. Die Kandidaten für Rat und Bezirksausschuss Enkisch, Fischdick und Cremer wollen das Laar-Konzept ihrer Partei in den neuen Gremien mit Nachdruck vertreten.

Die wichtigsten Punkte des Programms: aufgelockerte Wohnbebauung im Bereich des alten Krankenhauses, Beseitigung der Pfeilerbahn, Ausbau eines Grünzuges vom Rheindamm bis zur Friedrich-Ebert-Straße, Ausgliederung des Betriebshofes der Stadtreinigung aus dem Park an der Friedrich-Ebert-Straße zugunsten einer Begegnungsstätte mit Bürgerhauscharakter.

Hinzu kommen die Verbesserung der Verkehrsverbindungen und Planungen für den Bereich Vogelwiese. In einem speziellen Punkt wird die "Vorbereitung der Sanierung im Bereich der Thomas-, Watt- und Arndtstraße mit dem Ziel einer modernen und humaneren Wohnbebauung in diesem Bereich" gefordert.


24.04.1975 - WAZ - fack

Planungskonzeption sieht vor:
Grüngürtel bindet Ortskern von Laar an Beeckerwerth
Begegnungsstätte auf altem Krankenhausgelände — 250 Wohnungen

Mit einer längerfristigen Konzeption sollen in den kommenden Jahren im Stadtteil Laar umfangreiche Begrünungsmaßnahmen verwirklicht werden. Der Plan sieht vor, den zwischen Ruhrort und Beeck gelegenen Industrieanrainer durch einen etwa 800 Meter langen Grünzug aufzulockern. Die „grüne Lunge" würde von der Friedrich-Ebert- bis zur Deichstraße verlaufen und an die bereits erschlossene Anlage auf dem Rheindeich anknüpfen.

Nach der Fertigstellung erhielt Laar somit einen Wanderweg, der sich von der St.-Ewaldi-Kirche bis Beeckerwerth erstreckt.

Friedrich Enkisch und Dietmar Cremer - beide sind Kandidaten der SPD für den Rat der Stadt - wollen diesem Begrünungskonzept öffentlich Gehör verschaffen. Im Bezirksausschuss fanden die Vorschläge bereits mehrheitliche Billigung. Bei entsprechenden Mehrheiten im neuen Rat ist man sich auch hier der Zustimmung aller sicher. Enkisch: „Wir wissen die Fraktion in dieser Frage hinter uns."

Die Begrünung eines nahezu geschlossenen Streifens stellt angesichts freiwerdender Flächen schon heute kein allzu großes Problem dar. So gilt es als sicher, dass in absehbarer Zeit die auf Pfeilern ruhende alte Werksbahn der August Thyssen-Hütte verschwinden wird. An der Apostelstraße befindet sich das ehemalige St.-Joseph-Krankenhaus im Abbruch. Anknüpfungspunkt und zugleich Verbindungsstück wäre die Grünanlage an der Ewaldistraße.

Die Vorstellungen der Ratskandidaten laufen darauf hinaus, in den Grünzug auch eine aufgelockerte Bebauung einzubeziehen. Eine Zahl von 250 Wohnungen schwebt ihnen dabei vor. Vorab müsste die Stadt in dem vorgesehenen Bereich noch einige Grundstücke aufkaufen, die das Gelände ergänzen. Dazu gehört unter anderem der Standort des alten Krankenhauses. Dieser Platz bietet sich wegen seiner zentralen Lage für die Errichtung einer Begegnungsstätte an, in der Laarer Bürger Räume zur Freizeitgestaltung vorfinden. Auch eine Restauration sollte nach Ansicht der Ratskandidaten in das Gebäude einbezogen werden. Ortsansässige Vereine weichen heute noch zur Abhaltung größerer Versammlungen in benachbarte Stadtteile aus, da in Laar geeignete Räumlichkeiten fehlen.

Zur "Abrundung" der Freizeitmöglichkeiten sollen in das Konzept auch eine Minigolf-Anlage, ein Trimm-Pfad sowie eine Altentagesstätte einbezogen werden. Um Laar stärker an die Innenstadt anzubinden, müsste nach Meinung der Ratskandidaten das Nahverkehrssystem erweitert werden. Sie denken an eine Weiterführung der Straßenbahnlinie 4 über Ruhrort hinaus bis zur Laarer Kirche.


12.05.1975 - Rheinische Post

IM FLORAGARTEN in Laar trafen sich wieder alle, die einen milden Maisonntagmorgen genießen und dazu sich von Musik begeistern lassen wollten. Die erste Veranstaltung dieses Jahres hatte (am Muttertag) wieder zahlreiche Besucher. Für musikalische Genüsse sorgten der Laarer Kinderchor und der Männergesangverein Germania unter der Leitung von Konrad Leuer.


23.08.1975 - Rheinische Post - Hans Peter Schmidt

Laarer Deich gibt 250 000 Sicherheit
Erhöhtes Vorland als neues Spaziergelände

Die Abteilung Wasserwirtschaft des Stadtreinigungs- und Kanalbauamtes hütet eine Karte über die Folgen eines Deichbruchs bei Laar. Schon bei Normalhochwasser wäre danach der Norden der Stadt etwa zur Hälfte überflutet. Würde der Damm bei Höchstwasser reißen, läge fast die gesamte Stadt nördlich der Ruhr unter Wasser. Amtsleiter Bernard Frechen: „Dann wären die Flutkatastrophen wie die in Holland oder in Hamburg Kinderspiele dagegen."

Niemand allerdings rechnet ernsthaft mit derartigen folgenschweren Einbrüchen. Nicht nur, weil die Deichkrone heute mehr als 1,5 Meter über dem Höchstwasserstand aufragt, sondern weil inzwischen die Verstärkung im Deichvorland vollendet ist. Erfreuliches Nebenprodukt dabei: ein Grünerholungsgelände mit Spazierwegen von über einem Kilometer Länge am östlichen Rheinufer.

Laar war von jeher hochwasserbedroht. Nach alten Unterlagen bestand bereits 1892 vor dem Stadtteil ein Rheindeich. Er wurde 1908 und 1909 verstärkt und bis 1913 bis zur nördlichen Stadtgrenze 16 Meter breit ausgebaut. 1919 übernahm die Stadt die Unterhaltungspflicht als Nachfolger des Deichverbandes Laar-Beeckerwerth.

1962 zeigte sich beim heute noch als amtliches Höchstwasser geltenden Wasserandrang, dass die Schutzanlagen nicht reichten. Zusätzliche Verstärkungen bedingte außerdem der fortschreitende Kohleabbau, der die Deichkrone sinken ließ. Die letzte Aufstockung erfolgte 1962/63, durch die der Deich inzwischen eine Höhe von teilweise 9,50 Metern erhielt.

Immerhin waren sich die Stadtväter auch bewusst, dass dieses Bollwerk gegen Stromhochwasser 250.000 Menschen schützt. So beschlossen sie 1967 die weitere Verstärkung, die jetzt abgeschlossen wird. Als die finanzielle Beteiligung des Landes gesichert war, begannen 1971 die Arbeiten. Veranschlagt waren 3,9 Millionen. Stolz ist Amtsleiter Bernhard Frechen darauf, dass dieser Betrag trotz der Lohnkostensteigerungen seither eingehalten werden konnte. Das gelang durch geschickte Steuerung von Abfallfuhren in das Deichvorland. Frechen: „Dabei bewährte sich, dass unser Amt auch die Abfallbeseitigung besorgt."

Durch Aufstockung des gesamten Vorlandes um rund fünf Meter hat der Deichkörper, der früher bereits bei Mittelwasser eingestaut hatte, das neugierige Blicke auf den gefährdeten Deichfuß nicht zuließ, nun ein Schutzpolster gegen Beschädigungen erhalten. Vor allem ist nun nicht damit zu rechnen, dass bei Höchstwasser ein Schiff in den Deich gepresst wird. Es würde schon im erhöhten Vorland auflaufen.

Neben dem Gedanken „Sicherheit für den Bürger bei Höchstwasser" lief die Überlegung auf eine neue Erholungsfläche. So ließen die Deichbauer das erhöhte Vorland schon einebnen und begrünen, sorgten für einen über ein Kilometer langen Spazierweg aus Verbundpflaster, für Sitzecken und junge Sträucher und Bäume. Auch die Zugänge über den Deich durch Treppen kamen neu hinzu. Das alles wird von den Spaziergängern bereits lebhaft angenommen.


27.11.1975 - Rheinische Post - g.-r.

Laarer Deich ist sicher
Wohnstätten von 250.000 Menschen durch den Deich geschützt

Hinter dem Laarer Rheindeich ist gut wohnen. Das höchste Hochwasser, die ärgste Sturmflut und selbst ein bei Hochwasser strandendes Schiff können dem Deich nichts mehr anhaben. Das war die Überzeugung von Fachleuten und Ratsherren, die jetzt trotz des schlechten Wetters unter Führung von Stadtdirektor Oehm und Oberbaudirektor Frechen die Laarer Deichbauten besichtigten.

Im Schutze des Laarer Deichs wohnen etwa 250.000 Menschen. Ihr Eigentum und Milliardenwerte, die in den großen Werken investiert sind, stünden auf dem Spiel, wenn der Laarer Deich einmal bei Hochwasser „weich" werden würde. Der Angsttraum aller Wasserbaufachleute war seit Jahrzehnten die riesige Überschwemmung des Jahres 1926. Damals stiegen die Fluten über die Deichkrone, wenn der Deich auch hielt. Seit 1926 ist aber der Laarer Deich durch den Bergbau mehrere Meter abgesunken. Berechnungen haben ergeben: Wenn er bei einem Hochwasserstand wie 1926 bricht, würde die Flut von Mülheim bis nach Dinslaken reichen.

Darum wurde seit 1935 der Deich in verschiedenen Bauperioden erhöht bzw. verstärkt. Man stellte sich auf den denkbar ungünstigsten Fall ein: Einen Hochwasserstand wie 1926, dazu einen wüsten Nordwest-Sturm, der das Wasser die Deichkrone hinauftreibt und zusätzlich ein strandendes Schiff, das bei Hochwasser gegen den Deich getrieben wird.

Auf dieses Zusammentreffen schlimmer Umstände wurden die Deichbauten abgestellt. Der Deich wurde so erhöht, dass seine Krone 1,50 Meter über der Marke von 1926 liegt. Diese Maßnahme ist gegen das Wasser gerichtet. Außerdem wurde das Rheinvorland im Schnitt um einen Meter angeschüttet. Diese Maßnahme richtet sich gegen die „Schifffahrt" bei Hochwasser über dem Rheinvorland. Wenn ein Schiff bei Hochwasser in Richtung auf den Deich getrieben würde, so würde es vorher auf Land laufen. Der Deich hat jetzt eine Mächtigkeit, dass er von Fachleuten schon als „Talsperrendamm" bezeichnet wird.