Ältere News - Nachrichten aus Laar


18.11.1927 – Echo vom Niederrhein

 

Laar – der erste Wochenmarkt

 

Wer hätte das gedacht, dass der Laarer Marktplatz so über Nacht seiner Bestimmung übergeben würde, zumal erst vor wenigen Wochen die Stadtverordneten erklärten, dass vor nächstes Frühjahr mit seiner Eröffnung nicht zu rechnen sein dürfte, da die Mittel zu Bepflasterung nicht zur Verfügung stünden.  Mit den Planierungsarbeiten noch nicht ganz fertig, wurde nun am Donnerstagmorgen der Marktplatz seiner Bestimmung übergeben. Einen schmalen Streifen des Platzes nach der Florastraße hin hatte man mit Asche angeschüttet und hierauf hatten etwa 50 Verkaufsständen Aufstellung genommen. Fleischwaren, Gemüse und Fische waren in der Hauptsache vertreten, daneben gab es aber auch einige Stände mit Butter, Bäckerwaren und dergleichen. Der Besuch seitens der Bürgerschaft war ein recht guter und auch an Kauflust fehlte es nicht. Man darf wohl annehmen, dass die Händler am ersten Markttage mit ihrem Geschäft zufrieden gewesen sein dürften. Auch die Gesundheitspolizei war zur Stelle und sah nach dem Rechten.


26.02.1933 – DGA

 

75 Jahre katholische Schule.
Als Laar noch ländliche Idylle war.
Vom Bauerndorf zum Industrieort. – Ein Stück Laarer Geschichte.

 

In einer Zeit wirtschaftlicher und politischer Wirrnisse, die nicht dazu angetan ist, große Feste zu feiern, kann die katholische Schule Laars an der Schulstraße auf ein 75-jähriges Bestehen zurückblicken. Mit der Geschichte dieser Schule ist die Geschichte Laars aufs engste verbunden. Sie war überhaupt die erste Schule in Laar. Vor ungefähr 80 Jahren war Laar nur ein kleines Bauerndorf, hatte ungefähr 30 Wohnhäuser und rund 300 Einwohner, war also so groß wie das damalige Kirchdorf Hamborn. Landwirtschaft und Fischerei waren die Haupterwerbsquellen der Bevölkerung. Dieses so idyllisch zwischen Rhein und Emscher gelegene Laar mit seinen Weiß- und Rotdornhecken, mit seinen vielen, vielen Obstbäumen, seinen gepflegten Äckern und Wiesen, bot ein Bild wirklicher Zufriedenheit und des Wohlstandes.

 

Dann aber, im Jahre 1853, sollte die beschauliche Ruhe Laars vorbei sein. Man begann mit dem Bau des Hüttenwerks „Phönix“ und schon ein Jahr später betrieb dieses Werk vier Hochöfen. Arbeiter aus allen Gegenden Deutschlands, sogar aus dem Ausland, aus Frankreich, Belgien und Holland zogen nach Laar und fanden lohnende Beschäftigung. Wohnhäuser auf Wohnhäuser wurden gebaut. Die Bauern gaben willig ihr fruchtbares Land her. Niemals hatte man vorher so viel für ein Stück Land bezahlt. Die Landwirtschaft verkümmerte, verschwand allmählich. Die Obstbäume wollten nicht mehr tragen, die lauschigen Hecken verschwanden. Straßenzüge entstanden. Die so fischreiche Emscher wurde durch die Abwässer ein schmierig-fettiger stinkender Fluss. Ehe die Bauern begreifen lernten, dass ihre Heimatscholle verdorben und verloren war, war es zu spät: Laar war Industrieort geworden, war so eng mit dem Hüttenwerk verbunden, dass es ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war.

 

Die erste Schule.
Schon fünf Jahre nach Bestehen der Hütte, im Jahre 1857, war die Einwohnerzahl auf 2500 angewachsen, davon war drei Viertel katholisch. Die Kinder mussten zur Pfarrschule nach Hamborn. 150 Kinder hatten einen Schulweg von einer guten Stunde. Im Sommer mag dieser Weg durch Wiesen, Felder und Wäldchen noch eine Annehmlichkeit gewesen sein, im Winter aber war dieser Weg für die Kinder eine Strapaze. Da die Ufer von Rhein und Emscher durch Dämme nicht geschützt waren, kam es, dass alljährlich das Hochwasser das Land weithin überschwemmte. Den Kindern wurde daher der Schulbesuch häufig eine Unmöglichkeit; oft mussten sie wochenlang dem Unterricht fernbleiben. Zudem war die Pfarrschule Hamborn überfüllt. Die Notwendigkeit der Einrichtung einer Schule in Laar wurde immer dringlicher. Schließlich mietete man im Februar 1858, da für den Bau eines eigenen Schulgebäudes des so schnell gewachsenen Dorfes das Geld fehlte, einen Raum in einem Hause auf der heutigen Friedrich-Ebert-Straße (jetzt Metzgerei Hirtz). Der erste angestellte Lehrer dieser einklassigen Schule hieß Neuwirth und stammte aus Bottrop. Die Schulverhältnisse waren alles andere als ideal zu nennen. In einem engen Raum mussten 160 Kinder unterrichtet werden.

 

Noch im selben Jahre musste man einen weiteren Raum für eine zweite Klasse mieten. Dieses zweite Klassenzimmer war in dem Hause Lehnen auf der heutigen Schulstraße untergebracht. Man sah aber bald ein, dass trotz der zwei Klassenräume ein geregelter Schulbetrieb unmöglich war. Man befasste sich daher ernstlich mit dem Gedanken eines Neubaues eines eigenen Schulgebäudes.

 

Die Kirche in der Schulstube.
Im Frühjahr 1859 kaufte man ein Grundstück, das dem Landwirt Schroer in Stockum gehörte, zum Preise von fünf Talern pro Rute. Noch im gleichen Jahr konnte dieses Schulgebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Drei Jahre später wurde der Anbau eines weiteren Klassenzimmers notwendig. Dieses Klassenzimmer aber sollte noch einem weiteren Zweck dienen. Da die Laarer zur Pfarre Hamborn gehörten, wurde dieses neue Schulzimmer als Kapelle ausgestaltet, mit einem Choranbau versehen, während das Dach ein Glockentürmchen zierte. Aus Sparsamkeitsgründen wurde ein Schulvikar, der neben den seelsorgerischen Pflichten auch noch Schulunterricht zu geben hatte, berufen.

 

Zum ersten Geistlichen dieser neuen Kapellengemeinde wurde der Neopresbyter Franz Wesselmann aus Vreden berufen und Ostern 1863 feierlich in sein Amt eingeführt. Die katholische Kirchengemeinde kann also in diesem Jahre auf ein 70-jähriges Bestehen zurückblicken. Das Glöcklein der Kapelle rief die Gläubigen noch bis zum Jahre 1894 zum Gottesdienst, wurde dann aber an die Notkirche der jungen katholischen Gemeinde Beeck abgegeben.

 

Im Jahre 1867 kam als Lehrer Wilhelm Kösters aus Veen bei Xanten nach Laar. Mit dem Erscheinen dieses Schulmannes entsteht eine neue Ära in der Geschichte der Laarer Schule. Ein ganzes Menschenalter hat dieser Lehrer, der später als Schulleiter und Rektor dieser Schule vorstand, in Laar gewirkt, hat Generationen kommen und gehen sehen. Er erfreute sich einer großen Beliebtheit und die alten Lehrer wissen noch manche Episode aus dieser Schulzeit zu erzählen. Ihm ist auch die gewissenhaft und anschaulich geführte Schulchronik zu verdanken, in der so manches Ereignis aus Laar, welches heute sicher vergessen wäre, aufgezeichnet ist.

 

Für die Einrichtung von Mädchen- und gemischten Klassen wurden im Jahre 1868 Schulschwestern aus Coesfeld berufen, die sieben Jahre der Schule treue Dienste leisteten. Als der Kulturkampf einsetzte wurden sie aus Deutschland ausgewiesen. Sie wanderten daher im Jahre 1875 nach Nordamerika aus.

 

Die Schulnot wächst mit der Industrie.
Durch die Errichtung anderer industrieller Werke wurde Laar immer mehr von der Industrie abhängig. Es entstand im Jahre 1858 auf dem Gelände, auf dem der unvollendete Bau des Laarer Krankenhauses steht, die „Emscher-Hütte“. Dieses Werk ging aber später ein und verfiel dem Abbruch. 1869 entstand dann auch das Nachbarwerk der Phönixhütte, die „Rheinischen Stahlwerke“. Im sogenannten Mühlenfeld wurde eine Zeche abgeteuft. Die „Chemischen Werke“ wurden 1886 gegründet. Alle diese Werke, die außer der Emscherhütte in dem großen Industrieverband der Vereinigten Stahlwerke aufgegangen sind, haben Laar groß gemacht, haben Laar zu einem dunklen Industriestadtteil werden lassen.

 

Mit der Entwicklung Laars ging naturgemäß auch die Entwicklung der Schule vorwärts. Man behalf sich in den ersten Jahren mit An- und Aufbauten am Schulgebäude. Schließlich baute man in der Florastraße die Mädchenschule, aber auch dies war nur ein Behelf. Endlich machten zwei Neubauten an der Knaben- und Mädchenschule diesem ganzen Schulprovisorium ein Ende. 1910 wurde diesen zwei Schulsystemen eine Hilfsschule angegliedert. Erst nach dem Kriege baute man in der Schulstraße eine modern eingerichtete Turnhalle. Dann wurde ein Teil des alten Schulgebäudes für die Einrichtung einer Berufsschule abgetreten. Es trat abermals ein Klassenmangel ein, der erst dann behoben wurde, als die Hilfsschule ein neues Heim in dem ehemaligen Laarer Polizei- und Meldeamt erhielt.

 

Die Kriegszeit und besonders die Nachkriegszeit brachte für die Schule manche schwere Stunde. Während der Besatzungszeit wurde die Mädchenschule von den Belgiern als Kaserne benutzt. Man behalf sich während dieser Zeit mit Wanderklassen.

 

Der erste Rektor der Jubiläumsschule war Wilhelm Köster. 44 Jahre hat dieser Lehrer seine Dienste der Jugenderziehung gewidmet um dann 1911 in den Ruhestand zu treten. Sein Nachfolger wurde Rektor Kübler. Als dritter Schulleiter steht seit 1918 Rektor Kreuzberg der Schule vor, ein Schulmann, der sich in Laar großer Beliebtheit und Achtung erfreut. Von einem größeren Fest aus Anlass dieses Jubiläums will ma aber in Anbetracht dieser schweren Notzeit absehen. Ein Elternabend mit einem besonderen Programm wird dieses Jubiläum feiern.


05.04.1935 – Rhein- und Ruhrzeitung

 

Vom Florapark in Laar

 

Kürzlich teilten wir schon mit, dass der frühere Floragarten in Laar, der dem Stadtteil in seiner bisherigen Gestalt keineswegs zur Zierde gereichte, nunmehr in einen Volkspark umgewandelt wird und voraussichtlich noch in diesem Sommer der Allgemeinheit zugänglich sein wird. Mit der Umwandlung und Ausgestaltung ist vor einigen Wochen begonnen worden. 80 Volksgenossen sind hier gegenwärtig beschäftigt. Der Musikpavillon sowie einige kleinere Gebäude innerhalb des Gartens wurden fortgenommen, so dass die Anlage jetzt schon einen freien Überblick gewährt. Eine Wasserleitung wurde gelegt, ein Sandkasten für Kinder hergestellt. Der morsche Gartenzaun ist fortgenommen worden, die ganze Parkanlage wird durch Liguster-Hecken abgeschlossen. Der nördliche Teil, der bislang zu Gartenanlagen Verwendung fand, ist in die Grünanlage mit einbezogen, so dass der Park eine Größe von etwa 7 Morgen umfasst. Gedacht ist auch daran, die angrenzenden Häuserfronten durch Anpflanzung von etwa 100 Pappeln zu verdecken. Zusammenfassend sei gesagt, dass sich im Floragarten Wandlungen vollziehen, die umfassende Änderungen mit sich bringen, die dem Entgegenkommen der Besitzerin der Anlagen, der Gelsenkirchener Bergbau-Akt.-Ges., zu danken ist, worin aber auch der Laarer Heimatverein einen Erfolg seiner Bemühungen erblickt.


21.04.1938

 

Achtzig Jahre Laarer Florapark

Vom exklusiven Gesellschaftsgarten zur Volkserholungsstätte

 

Der Laarer Florapark, der nun schon verschiedene Jahre als schöne Volkserholungsstätte seine Aufgabe erfüllt, blickt in diesem Jahre auf eine achtzigjährige, recht wechselvolle Geschichte zurück. In den Jahren 1856 bis 1858 wurde der Park als Privatgarten von dem Ruhrorter Kaufmann König angelegt und mit einem Gartenhäuschen für den diensttuenden Gärtner versehen. Die Anlage, in der in großer Zahl Obstbäume angepflanzt waren, erhielt durch den eigens dafür bestellten Gärtner sorgsame Pflege, so dass sie schon bald eine Zierde für den Heimatbezirk wurde. Ein exklusiver Kreis Ruhrorter und Laarer Bürger hatte sich zu einer Gesellschaft Flora zusammengefunden, die als Pächterin der Anlage auftrat und einen Restaurationsbetrieb nebst Festsaal, Musikpavillon und Kegelbahn errichtete. So blickt auch die mit der Anlage verbundene Gaststätte jetzt auf ein achtzigjähriges Bestehen zurück. Verwalter wurde der Ökonom Nagel, der später als Kurhausdirektor nach Aachen kam. In den ersten Jahren war die Flora-Anlage der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die von der Flora-Gesellschaft veranstalteten Festlichkeiten hatten weit über den Heimatbezirk hinaus Ruf und Klang.

 

Als die Gesellschaft Flora sich 1900 auflöste, ging das Anwesen in den Besitz der Gebrüder Paßmann über, die die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich machten. Kurz vor dem Kriege hatte die Stadt mit den Eigentümern Erwerbsverhandlungen aufgenommen, die aber damals zu keinem positiven Ergebnis führten. Wie die Anlage in den ersten Nachkriegsjahren gelitten hatte, als sie von der Besatzung wieder freigegeben wurde, ist noch frisch in Erinnerung. Das Schicksal der Flora schien besiegelt. Als Retter trat damals die aus einheimischen Bürgerfamilien sich bildende Bürgerhaus-Betriebsgesellschaft auf, die die Wiedererrichtung des Anwesens auf sich nahm und der Anlage schon bald wieder zu ihrem guten Namen verholfen hatte. Die Flora war, wie ehedem, ein Sammelpunkt für das gesellschaftliche Leben des Stadtteils. So gut der Wille der neuen Flora-Gesellschaft war, so konnte sie sich aber nur kurze Zeit behaupten, da die Verhältnisse stärker waren. Der Verfall der Räumlichkeiten, vor allen Dingen des als Alleinbau in der Anlage stehenden Saales war viel stärker, als man angenommen hatte. Dazu waren schädigende Einflüsse der Bodensenkung getreten, die den Verfall des Saales wie des Musikpavillons beschleunigten und schon bald zur Niederlegung dieser Bauten führten. Eigentümerin der Anlage wurde damals die Gelsenkirchener Bergwerks-AG.

 

Als vor jetzt 5 Jahren der Heimatverein auf den Plan getreten war, konzentrierte sich seine Initiative schon bald auf eine Umgestaltung des Floragartens in eine Volkserholungsstätte. Den Erfolg dieser Bemühungen des Heimatvereins können die Laarer Volksgenossen nun schon seit drei Jahren froh und dankbar genießen. Die jetzige Anlage ist ein Abschluss der achtzigjährigen Geschichte, wie er schöner kaum zu denken ist.


05.06.1938 – Der Neue Tag (Teile 1 – 3 fehlen, Bestand 103121 im StADU)

 

Heinrich Mismahl, der Luftballwirt, vollendete am 1. Juni seinen 80. Geburtstag

 

… mit denen es eine besondere Bewandtnis hatte. In diesem Jahre brachte ein Beecker Schiffer etwa 300 junge Lindenbäumchen nach Ruhrort; hiervon wurden 4 am Luftball, 4 am Liebrechtschen Hause auf dem Ruhrorter Marktplatz und einige weitere im jetzigen Floragarten angepflanzt. Die 4 Linden vor dem Luftball mussten im Jahre 1929, nachdem sie 129 Jahre Schatten gespendet hatten, abgeholzt werden, da sie den Verkehr behinderten.

 

Interessant ist es auch, wie Mismahls Großvater damals den Luftball erwarb. Die Befreiungskriege im Jahre 1813 kamen. Zu dieser Zeit war es noch möglich, dass ein zur Fahne Einberufener sich durch einen anderen loskaufen konnte. Der Sohn des damaligen Hausbesitzers Depuhl, der mit einer reichen Bauerntochter verlobt war, wollte nicht in den Krieg ziehen, und so kaufte er sich durch den Großvater des jetzigen Inhabers der Wirtschaft, Grote genannt Mismahl, los, der für ihn nun als Soldat eintrat. Als Lohn wurde ihm unter Handschlag das Häuschen versprochen, vielleicht in der stillen Hoffnung, dass der Vaterlandsverteidiger nicht mehr zurückkehen würde. Als nun Mismahl gesund und munter aus dem Krieg zurückkam, wollte sich Depuhl nicht mehr an den Vertrag gebunden halten. Man fand jedoch später eine Einigung, und Mismahl erhielt unter Hinzuzahlung von 400 Thalern das Haus. Neben Land- und Ackerwirtschaft betrieb der neue Besitzer die Schenkwirtschaft weiter und die hiermit verbundene Branntweinbrennerei wurde später in eine Bierbrauerei umgewandelt, die, wie die übrigen 7 in Laar und Beeck beheimateten Brauereien einging, als größere Brauereien den nicht auf die Eiserzeugung eingerichteten Kleinbetrieben ein Ende bereiteten.

 

Eine nicht alltägliche Geschichte ereignete sich in diesem Häuschen in den 20-er Jahren. Die drei Töchter des Wirtes Depuhl wurden von den Bauernsöhnen stark umworben. Als nun eines Tages hier drei Dragoner einquartiert wurden und diese die Herzen der Mädels für sich erobern wollten, kam es zu einem Streit, in dessen Verlauf zwei Dragoner durch Stiche mit Mistgabeln und sonstigen Gegenständen getötet wurden. Heute noch sieht man Spuren des Kampfes an den Türpfosten der Wohnung, wo die Säbelhiebe, die die Dragoner austeilten, große Risse hinterlassen haben.

 

Die Kolksweide, die nunmehr den Vereinigten Stahlwerken als Umschlagplatz dient, war eine der besten und saftigsten Weiden dieser Gegend. Etwa 16 Walnussbäume standen an der Böschung, und als sich im Jahre 1855 der Rhein vom Eis freimachte und das Hochwasser gewaltige Eisschollen zu Tal führte, wurden 15 dieser Nussbäume von den Schollen abgesägt und fortgerissen. Aber auch der letzte Zeuge musste vor etwa 5 Jahren der Erweiterung der Rheindeichböschung weichen.

 

Interessant ist auch ein Gang durch die alten Braukeller der Mismahlschen Besitzung, an deren Decken sich Tropfsteingebilde entwickelt haben. Wie verlautet, soll auch ein unterirdischer Gang von hier aus nach Homberg führen, jedoch ist dieser bisher noch nicht weiter verfolgt worden.   h-o.


05.06.1938 – Der Neue Tag

 

Der „Luftballon“ und seine Geschichte

Ein alter Duisburger Name und seine Entstehung – Ein Kapitel Laarer Heimatgeschichte

 

Wir berichteten in einer unserer letzten Ausgaben über den 80. Geburtstag des „Luftballwirtes“ Heinrich Mismahl. In diesem Zusammenhang ist es interessant, einmal etwas Näheres über den „Luftball“ zu hören. Nur noch einige alte Bauten erinnern uns an das alte Fischerdorf Laar. Eines der ältesten Häuser ist das vor 139 Jahren erbaute Haus „Zum Luftball“. Es dürfte unsere Leser interessieren, wie nun eigentlich dieser Name entstanden ist. Man sollte annehmen, dass er mit dem schönen Ausblick, vor allem aber mit der reinen Luft hier am Rhein im Zusammenhang zu bringen sei.

 

Es war im Jahre 1821, als auf der vorgelagerten Rheinwiese, der sogenannten Kolksweide, zum ersten Male ein Papierluftballon von der Art, wie wir ihn bei Festlichkeiten, Kinderbelustigungen usw. heute noch kennen, aufgelassen wurde. Das war damals nicht nur für die Anwohner Laars ein besonderes Ereignis, sondern auch für die Bauern der ganzen Umgebung. So kamen auch die Bauern aus Holten, zu dem Laar damals gehörte, herbei, um Zeugen dieses Schauspiels zu sein. In der Folgezeit fanden dann des Öfteren solche Ballonaufstiege statt und die Bevölkerung Laars, das damals aus 17 Bauernhöfen bestand, sowie die ganze Umgebung gab sich hier ein Stelldichein. Kurzum, man wanderte des Sonntags „Zum Luftballon“. Schließlich kannte man das Mismahlsche Anwesen nur noch unter diesem Namen, und so taufte der Inhaber seine Wirtschaft eben „Zum Luftballon“. Bei Ausbruch des Krieges 1870 waren die nichtdeutschen Namen verpönt, und alles, was einen französischen Anstrich hatte, musste weichen. So auch das Wort Ballon, von da ab hatte die Wirtschaft den heute noch bestehenden Namen „Zum Luftball“. Das Haus wurde im Jahre 1800 auf der damaligen Haus-Knipp-Straße von einem gewissen Depuhl erbaut. 1801 wurden vor dem Anwesen vier Lindenbäume gepflanzt.


12.04.1939 – DGA – Hbg.

 

Ein alter Laarer erzählt:
Aus der Geschichte der Gemeinde Laar – Der Lacumshof der einzig gebliebene Bauernhof – Als die Hütte „Phoenix“ noch nicht gebaut war

 

Von den wenigen Laarer Bürgern, die ihre engere Heimat noch als Landgemeinde gekannt haben, ist „Ohme Wömmer“, den der Schreiber dieses mit Bleistift und Notizblock zu einer Audienz bewegen konnte, einer der ältesten. Heute, wo Schornsteine, Hochöfen und die teilweise architektonisch recht unschönen Häuser im Kasernenstil der Vorkriegsjahre in Laar das typische Bild einer Fabrikstadt zeichnen, ist es schwer zu glauben, dass sich hier noch vor knapp einem Menschenalter Äcker und Wiesen dehnten. Die Zeit, da Laar noch nicht unter der Herrschaft von Eisen und Kohle stand, deuten nur noch vereinzelte hofartige Gebäude an. Und der an der früheren Kaiser-, jetzt Friedrich-Ebert-Straße, gelegene „Lacumshof“ ist der einzige, der nie den Besitzer gewechselt und sich bis auf den heutigen Tag sein Bauerntum bewahrt hat. „Am guten Alten in Treue halten; am kräftigen Neuen, sich stärken und freuen“, steht im Holz der Einfahrt eingegraben. Die Existenz des Hofes Lacum ist Beweis genug, dass die Lacums mit der echten alten niederrheinischen Beharrlichkeit an dem guten Alten festgehalten haben.

 

Inzwischen hat das duftende Aroma einer Zigarre die richtige Plauderstimmung geschaffen.  „Ohme Wömmer“ erzählt die Geschichte der alten Laarer Höfe und damit die Geschichte Laars. Wohl der älteste Laarer Hof war der „Scholtenhof“, der in der Gegend des heutigen Feuerwehrplatzes stand. Der Fachwerkbau unterhalb der Badeanstalt an der Ecke Apostel- und Rheinstraße war das frühere Backhaus des alten Scholtenhofes, der gegen 1820, zur Zeit des Baues des ersten Ruhrorter Hafens von der Familie Haniel, deren Weitblick die Entwicklung Ruhrorts und Laars erkannte, für 75 Pfennig pro Rute aufgekauft wurde. Heute besitzt jede Rute einen größeren Wert als die damalige Kaufsumme für den ganzen Hof. In der Rheinstraße, auf dem Grundstück des Burhansschen Hauses, stand der „Scherrers Hof“, dessen alte Eignerin Charlotte von Laar war. „Lotte Mäu“ (der Ausdruck „Mäu“ heißt Tante, z. B. Grete Mäu, Tante Grete) war eine gute Bekannte des „Ohme Wömmer“. Nicht ganz so alten Ursprungs war „Herkers Wirtschaft“, das heute noch existierende und bewohnte viereckige Haus, das außerhalb der Fluchtlinie hinter dem Kirchenneubau der Apostolischen Gemeinde zwischen Kanzler- und Florastraße liegt. An der Deichstraße lag und liegt heute noch das Mißmahlsche Anwesen, das früher eine Bierbrauerei beherbergte. Weiter unterhalb der gleichen Straße das Haus Schmitz, jetzt Eickelberg. Auf der Grenze zwischen Stockum und Laar, die durch die alte Emscher gebildet wurde, lag das Haus des Brückeneigners Scholten-Luchsen – in Stockum gibt es in Scholten-Möller und Scholten-Metten noch klangverwandte Höfe – der für jede Passage als Inhaber der Brückengerechtsame 2 Pfennig kassieren durfte. Die Emscher musste also zweimal ihr Bett wechseln, da sie zu der Zeit noch etwa 100 Meter unterhalb der alten, jetzt ebenfalls abgerissenen Emscherbrücke etwa bei der Drogerie Leichtfuß vorbeifloss. Hinter diesem Anwesen, es war das heutige Haus Friedrich-Ebert-Straße 121, lag der Wohnsitz des „Hausmann“, der im Hauptberuf Schiffer war, aber auch ausgedehnte Wiesen bis hinauf nach Mühlenfeld besaß. In dem zwischen Friedrich-Ebert-Straße (hinter dem Wartembergschen Saal, dem jetzigen Kino) gelegenen Haus erkennt man den Hausmannschen Besitz wieder. Die sich hieran anschließenden weniger imponierenden Häuschen trugen die Bezeichnung „Laboratorium“. Zwischen der Drogerie Leichtfuß, über das heutige Presswerk und den Weichenbau der „Phoenix“ hinweg erstreckte sich ein alter Emscherarm, der den Weg nach Mühlenfeld nur durch Benutzung der Fähre, die am Ausgangspunkt der verlängerten Thielenstraße gelegen hat, möglich machte. In dem alten Backhaus von Jakobs an der gleichen Stelle hauste lange Zeit der alte Schrankenwärter der „Phoenix“, Matracka mit dem Holzbein. Die jetzige Hochbahn hat also zunächst eine Pferdebahn auf Schienen und dann ein Dampfbähnchen als Vorgängerin gehabt.

 

Nach diesem Rundgang landen wir wieder beim Lacumshof, der alle anderen überdauert hat. Der alte Scholtenhof, dessen Besitzer mit der Familie Scholten-Lindgens aus der Knippenberg bei Bottrop (1300) verwandt war, wurde nach seinem Besitzwechsel von dem mit der Familie Lacum verwandten, dem Linksrheinischen entstammenden Trommen niedergerissen. Man fand hierbei einen Balken mit der Jahreszahl 1710 und der Inschrift: „Du sollst Gott, Deinen Herrn, loben, auf daß Deine Scheune voll werde“, Sp. Salomon 3, Vers 8. Dieser Balken ist auf Veranlassung von Theobald Haniel beim Bau des „Trommens“-Hofes, von dem Teile in der dem Heidschen Hause an der Apostelstraße gegenüberliegenden Scheune vorhanden sind, verwandt worden und befindet sich noch an dieser Stelle. Der spätere Besitzer des Trommenhofes, auch ein Scholten, saß auf dem Knipp-Hof in Beeckerwerth, konnte sich aber nicht halten und verkaufte den Besitz an die Familie Bernsau, die ihn wiederum an den Herzog von Arenberg abgab, aber fernerhin als Pächter dortblieb. Jetzt gehört der Knipp-Hof, wie auch der zeitweilig im Löckenhoffchen Besitz befindliche Trommenshof mit allem Land (Pächter war Weyer) den Vereinigten Stahlwerken. Der letzte Kuhschweizer des Trommenshofes, der „olle Hermann“, ist selbst der heutigen Laarer Jugend noch eine bekannte Erscheinung. Der Lacumshof ist aus dem früheren „Heckmannshof“ hervorgegangen, der sich etwa auf dem Grundstück des heutigen Restaurants „Phoenixhalle“ befand. Der aus Meiderich gebürtige Wennemar Lacum, dessen Familie dem bereits 1150 urkundlich erwähnten alten westfälischen Adelsgeschlecht v. Strüngmann genannt Lacum entstammt, heiratete die Wwe. Heckmann und baute sich den dem Heckmannshof gegenüberliegenden „Lacumshof“. Um 1860 herum brannte der alte Heckmannshof ab. Von Wennemar Lacum vererbte sich der Hof auf Wilh. Lacum, der im vorigen Jahre, 85-jährig, verstarb. Interessant ist das alte Wappen der Familie von Strüngmann gen. Lacum (die späterhin den Namen Lacum annahm), das sich im „heraldischen Institut“ zu Dresden befindet und wie folgt erklärt wird:

 

Wappen: Im geteilten schwarz-silbernen Schild oben ein goldener Löwe, unten drei rote Blumen mit goldenem Mittelstück. Auf dem gekrönten Helm ein goldener Löwe, in der rechten Pranke eine Blume emporhaltend. Die Helmdecken sind rot-silber und schwarz-gold.

 

Bedeutung: Der Löwe ist ein Sinnbild des Mutes und Tapferkeit, Blumen verkünden das Wachstum und den Wohlstand des Geschlechts. Die Farben schwarz-golden bedeuten Ehre und langes Leben, rot-silber Kühnheit.

 

Strüngmann: genannt Lacum, das ist Auferstehung, eine Grenzstadt des Stammes Raphthali bei dem See Sangonitis, Jes. 19 Vers 33.

 

Altes westffälisches Geschlecht 1636, bereits früher urkundlich erwähnt im Jahre 1150. – Wahlspruch: Justi ist sidera fulgent. – Die Geschlechter glänzen wie Sterne.

 

Das war Laar um 1850. In der folgenden Zeit suchte man die Schätze seines fruchtbaren Bodens nicht mehr in der Ackerscholle, sondern im Schoße seiner Erde, in der die schwarzen Diamanten ruhten. Mit der Errichtung der Hütte „Phoenix“ im Jahre 1852 begann für Laar die Industrialisierung. Während des Baues der „Phoenix“, die ihren Ursprung in Belgien hat, siedelten sich zahlreiche Wallonen hier an. Auf der Kaiserstraße wurde Fachwerkbau an Fachwerkbau errichtet. Das Haus „Geibel“ wurde nach Ankauf durch die „Phoenix“ zu einer Kantine hergerichtet, in der Bonnever den Wirt spielte. Ein Sohn des Wirtes war später jahrelang Ingenieur auf dem Werk. Heute befindet sich hier die Wirtschaft Allekotte. An die „Belgische Invasion“ erinnerten noch lange Namen wie: Van de Voire usw.

 

Mehr und mehr verlor Laar seinen landwirtschaftlichen Charakter. Die Höfe wurden verkauft und nur die Lacums hielten fest an der Scholle, wenn auch das Anwesen von den Industriebauten vollkommen eingeschlossen wurde, und der Pflug erst eine halbe Stunde über Straßenpflaster holpern musste, ehe die Knechte, weit draußen in Beeckerwerth, mit der Beackerung des Bodens beginnen konnten. Heute liegt die „Phoenix“, das Werk, das die Entwicklung Laars bestimmte, still. Die Schornsteine und Hochöfen rauchen nicht mehr, das Rollen der Walzenstraßen ist verstummt und auch die Frühlingssonne, die nach wie vor die Leute vom Lacumshof mit Pflug und Egge hinausziehen lässt, verstreut vergebens ihre lebenweckenden Strahlen über totes Eisen und Gestein. Es ist, als ob ein Kreislauf des Lebens beendet, das Rad zurückgedreht und eine Entwicklung abgeschlossen wäre, die Glück und Wohlstand einer Stadt gegeben und nun wieder genommen hat.


13.03.1954 - RP

 

Rohbau steht in Laar

 

Der Rohbau der evangelischen Kirche in Laar ist beendet, nachdem der Wiederaufbau etwa vor einem Jahr begonnen worden war. Mancher mag sich wundern, warum der Bau nicht schneller errichtet wird. Er müsste aber wissen, dass Laar die ärmste evangelische Gemeinde des Stadtgebietes ist. Noch immer werden die Gottesdienste in dem ausgebauten Kellerraum abgehalten. Viel Geld und Arbeit wird die Innenausstattung und die Herstellung des Kirchenraums noch erfordern. Aber auch die ärmste Gemeinde wird ihr Ziel — ein neues Gotteshaus — bald erreichen. Dann werden die Kellerräume den Vereinen und Jugendgruppen zur Verfügung stehen.


10.03.1955 – DGA

 

„Goldene Hochzeit“ zweier Stadt-Ehen
Heute vor fünfzig Jahren Duisburg-Meiderich, Ruhrort schloss sich an

 

Am heutigen Tag besteht die Stadt-Ehe Duisburg-Meiderich fünfzig Jahre und am 17. April können die Duisburger und Ruhrorter „Goldene Hochzeit“ feiern.

 

Als am 10. März 1905 im Meidericher Rathaus mit 28 gegen 2 Stimmen die Vereinigung mit Duisburg beschlossen wurde, mussten sogar die Türen des Sitzungssaals geöffnet werden, damit die zahlreichen Zuhörer draußen auf ihre Rechnung kamen. Aber nicht nur für Meiderich, sondern auch für Ruhrort ging es darum, die Selbständigkeit aufzugeben. In der alten Schifferstadt sträubten sich die Bürger ebenso heftig gegen eine Vereinigung mit Duisburg wie ihre Meidericher Nachbarn, aus dem damals „größten preußischen Dorf“. Beide konnten sich lange nicht an den Namen Duisburg-Meiderich und Duisburg-Ruhrort gewöhnen. Aber alles Streiten half nichts. Bürgermeister Pütz, der den Vorsitz bei der obenerwähnten Sitzung im Meidericher Rathaus führte, begründete die harte Notwendigkeit einer Fusion damit, dass den aufstrebenden Nachbarstädten Konkurrenz geboten werden müsse. Hierzu käme noch, dass die Hafenanlagen auf alle drei Städte übergriffen und von den insgesamt 417 Hektar Hafenanlagen läge der größte Teil auf Meidericher Gebiet, nämlich 317 Hektar.

 

Für eine Zusammenlegung Meiderichs und Ruhrorts dagegen schienen außer den Ruhrorter Wünschen auch die geschichtliche Überlieferung zu sprechen. Die preußische Regierung zudem hätte die Vereinigung von Ruhrort und Meiderich gern gesehen. Deshalb hofften die Ruhrorter, auch Laar ohne Schwierigkeiten ihrem Stadtbilde anschließen zu können. Aber zu dieser Vereinigung kam es nicht. Mehr Glück hatten die Ruhrorter mit Beeck, das 1900 von Hamborn getrennt und selbständig wurde, sich aber bald mit Ruhrort vereinigte.

 

Im Jahre 1903 überholte der Duisburger Hafenverkehr zum ersten Male Ruhrort. Zudem wurde in Duisburg am 4. April 1904 der 100.000. Einwohner geboren. Duisburg verhandelte mit Meiderich. Diese Verhandlungen um die Vereinigung kamen der Bürgerschaft sehr überraschend. In Ruhrort riefen sie einen Sturm der Empörung hervor. Die Zeitungen warnten die Meidericher dringend, ihre Gemeinde nicht zu einer „Vorstadt zu erniedrigen“. Trotzdem wurde am 10. März 1905 die Vereinigung mit 28 gegen 2 Stimmen beschlossen. Die Ruhrorter mussten nun einfach zwangsweise dem Meidericher Beispiel folgen und am 17. April sprachen sich auch die Ruhrorter Stadtverordneten für einen Zusammenschluss der drei Städte aus. Schon am 18. April 1905 versammelten sich auf Veranlassung des Regierungspräsidenten zu Düsseldorf die Vertreter der drei Städte zu Verhandlungen über die Verschmelzung.

 

Zu dieser Ehe zwischen den drei Städten Duisburg-Meiderich-Ruhrort, die jetzt ihre goldene Hochzeit feiern, gesellte sich am 1. August 1929 die Stadt Hamborn. So ist der Wunsch des Generaldirektors Verlohr doch noch in Erfüllung gegangen und aus „Deusoburg“, dem“festen Haus auf dem Homberger Wert“, „Hammern“ und dem „größten preußischen Dorf“ hat sich im Laufe der Jahre die Rhein-Ruhrstadt entwickelt, die Stadt mit den größten Binnenhäfen Europas.   P.W.